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Wenn Dein Nervensystem auf Schutz schaltet

Was die Polyvagal-Theorie über Stress, Rückzug und Sicherheit erklärt

Manchmal spüren Menschen sehr deutlich, dass etwas in ihnen dauerhaft angespannt ist.
Der Alltag funktioniert noch. Termine werden eingehalten. Verantwortung wird übernommen. Nach außen wirkt vieles stabil.

 

Und gleichzeitig entsteht innerlich das Gefühl:
So, wie es gerade ist, soll es nicht bleiben.

Manche erleben sich gereizter als früher.


Andere ziehen sich zurück oder fühlen sich erschöpft, obwohl sie eigentlich nur funktionieren müssten. Wieder andere spüren eine innere Unruhe, die sich kaum abschalten lässt – selbst in ruhigen Momenten.

Oft beginnt dann die Suche nach Erklärungen.

 

Nicht selten entsteht dabei zusätzlicher Druck:

  • Warum bekomme ich das nicht besser hin?
  • Warum bin ich so empfindlich geworden?
  • Was stimmt nicht mit mir?

 

Doch was wäre, wenn viele dieser Reaktionen keine Schwäche wären?


Sondern verständliche Schutzmechanismen eines Nervensystems, das versucht, Sicherheit herzustellen?

 

Genau hier setzt die sogenannte Polyvagal-Theorie an.


Unser Nervensystem will uns schützen

Die Polyvagal-Theorie wurde von dem Neurowissenschaftler Stephen Porges entwickelt. Sie beschreibt, wie eng unser Erleben mit dem autonomen Nervensystem verbunden ist – also mit dem Teil unseres Körpers, der unbewusst auf Sicherheit, Gefahr oder Überforderung reagiert.

 

Die Grundidee dabei ist ebenso einfach wie bedeutsam:

Unser Nervensystem überprüft fortlaufend, ob wir uns sicher fühlen.

 

Diese Einschätzung geschieht meist nicht bewusst. Sie läuft schnell, automatisch und körpernah ab. Porges prägte dafür den Begriff Neurozeption – die unbewusste Wahrnehmung von Sicherheit oder Bedrohung.

 

Das Entscheidende daran:
Das Nervensystem reagiert nicht nur auf objektive Gefahren.

Auch Dauerstress, Konflikte, emotionale Unsicherheit, Einsamkeit, Überforderung oder anhaltender Leistungsdruck können vom Körper als Belastung wahrgenommen werden.

 

Der Organismus versucht dann, uns zu schützen.


VERBUNDENHEIT und SICHERHEIT

Wenn Menschen sich sicher fühlen, verändert sich oft ihr gesamtes Erleben.

 

Gedanken werden klarer.
Kontakt zu anderen gelingt leichter.
Der Körper wirkt ruhiger.
Es entsteht mehr Flexibilität.

 

In solchen Momenten können wir zuhören, fühlen, lernen, kreativ denken und verbunden bleiben – mit anderen und mit uns selbst.

 

Viele kennen diesen Zustand aus kleinen Alltagssituationen:
ein gutes Gespräch, ein ehrliches Lachen, Natur, Musik, ein vertrauter Blick oder das Gefühl, wirklich verstanden zu werden.

 

Sicherheit ist dabei nicht nur ein psychologisches Konzept.
Sie ist auch ein körperlicher Zustand.

 

Gerade das macht die Polyvagal-Theorie für viele Menschen so nachvollziehbar:
Sie verbindet Psyche und Körper nicht als Gegensätze, sondern als zusammenhängendes System.


AKTIVIERUNG – Kampf oder Flucht

Unter Stress verändert sich dieses System.

 

Der Körper schaltet in Aktivierung.
Herzschlag und Muskelspannung steigen. Gedanken werden schneller. Aufmerksamkeit richtet sich stärker auf mögliche Probleme oder Gefahren.

 

Manche Menschen werden unruhig und hektisch.
Andere kontrollieren mehr, funktionieren stärker oder verlieren zunehmend den Zugang zu ihren eigenen Bedürfnissen.

Kurzfristig ist diese Reaktion sinnvoll. Sie hilft uns, leistungsfähig zu bleiben und Herausforderungen zu bewältigen.

 

Schwierig wird es dann, wenn der Körper keinen Weg mehr aus dieser dauerhaften Alarmbereitschaft findet.

 

Chronischer Stress beeinflusst nachweislich das autonome Nervensystem und steht mit psychischer sowie körperlicher Belastung in Zusammenhang. Forschungsergebnisse zeigen unter anderem Zusammenhänge zwischen anhaltender Stressaktivierung, emotionaler Dysregulation und eingeschränkter Erholungsfähigkeit.

 

Viele Menschen erleben dann genau das:
Sie funktionieren weiter – fühlen sich innerlich jedoch zunehmend erschöpft.


RÜCKZUG und ERSTARRUNG

Wird die Belastung zu groß oder erscheint keine Lösung mehr möglich, kann das Nervensystem in einen weiteren Schutzmodus wechseln:
Rückzug, Erstarrung oder innere Abschaltung.

 

Menschen beschreiben diesen Zustand häufig als:

  • Leere,
  • Müdigkeit,
  • emotionale Distanz,
  • Hoffnungslosigkeit,
  • Antriebslosigkeit
  • oder das Gefühl, nicht mehr richtig da zu sein.

Von außen wird das manchmal missverstanden:
als Desinteresse, fehlende Motivation oder mangelnde Belastbarkeit.

 

Doch häufig steckt dahinter kein Nicht-Wollen, sondern ein Organismus, der versucht, mit Überforderung umzugehen.

Dieser Blick verändert etwas Wesentliches.

 

Denn plötzlich kann die Frage wegführen von:
Was stimmt nicht mit mir?

 

Hin zu:
Was versucht mein Nervensystem gerade für mich zu tun?

 

Allein diese Perspektive kann Druck reduzieren und einen freundlicheren Umgang mit sich selbst ermöglichen.


Warum dieses Verständnis vielen Menschen hilft

Die Polyvagal-Theorie hat in den vergangenen Jahren große Aufmerksamkeit in psychotherapeutischen, traumatherapeutischen und körperorientierten Arbeitsfeldern erhalten. Gleichzeitig ist wichtig zu wissen, dass einzelne neurophysiologische Annahmen wissenschaftlich kontrovers diskutiert werden.

 

Nicht alle theoretischen Ableitungen gelten derzeit als eindeutig belegt. Dennoch erleben viele Fachpersonen das Modell klinisch als hilfreich, um Stressreaktionen, Bindungserfahrungen und Regulationsprozesse verständlicher einzuordnen.

 

Vielleicht liegt genau darin ihre Stärke:
Es soll nicht alles erklärt werden, sondern menschliches Erleben verständlicher und mitfühlender einordnen.


Regulation statt Selbstoptimierung

Im Alltag versuchen viele Menschen, Stress vor allem über Kontrolle zu bewältigen:
mehr Disziplin, mehr Selbstoptimierung, mehr Durchhalten.

 

Doch Regulation entsteht selten über zusätzlichen Druck.

Oft beginnt sie wesentlich leiser.

 

Durch kleine Momente von Sicherheit.
Durch Struktur.
Pausen.
Bewegung.
Natur.
Einen ruhigen Atemzug.
Verlässliche Beziehungen.
Oder das Gefühl, nicht allein zu sein.

 

Das Nervensystem braucht nicht ständig mehr Leistung.
Es braucht immer wieder Erfahrungen von Sicherheit und Verbindung.


Impuls für Deinen Alltag

Vielleicht hilft Dir heute folgende Frage:

Was würde meinem Nervensystem in diesem Moment ein kleines Stück Sicherheit vermitteln?

Nicht morgen.
Nicht irgendwann.
Jetzt.

Manchmal ist der erste Schritt nicht Leistung.
Sondern Verbindung.


Fazit

Die Polyvagal-Theorie erklärt nicht alles und gleichzeitig eröffnet sie einen hilfreichen Blick auf Stress, Schutzreaktionen und menschliches Verhalten.

 

Sie erinnert uns daran:
Der Körper arbeitet nicht gegen uns.
Er versucht, uns zu schützen.

 

Und manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo wir aufhören, ausschließlich gegen unsere Symptome zu kämpfen – und stattdessen beginnen zu verstehen, was unser System eigentlich braucht.


Quellen

Beauchaine, T. P., Bell, Z., Knapton, E., McDonough‐Caplan, H., Shader, T., & Zisner, A. (2019). Respiratory sinus arrhythmia reactivity across empirically based structural dimensions of psychopathology: A meta‐analysis. Psychophysiology56(5), e13329.

 

Grossman, P. (2023). Fundamental challenges and likely refutations of the five basic premises of the polyvagal theory. Biological Psychology180, 108589.

 

Manzotti, A., Panisi, C., Pivotto, M., Vinciguerra, F., Benedet, M., Brazzoli, F., ... & Chiera, M. (2024). An in‐depth analysis of the polyvagal theory in light of current findings in neuroscience and clinical research. Developmental psychobiology66(2), e22450.

 

Porges, S. W. (2022). Polyvagal theory: A science of safety. Frontiers in integrative neuroscience16, 871227.

 

Porges, S. W. (2025). Polyvagal theory: Current status, clinical applications, and future directions. Clinical Neuropsychiatry22(3), 169.

Kohärenz – warum innere Stimmigkeit durch herausfordernde Zeiten trägt

Im Alltag funktioniert vieles gleichzeitig. Aufgaben werden erledigt, Routinen greifen, Entscheidungen werden getroffen. Und dennoch entsteht manchmal das Gefühl, dass innerlich etwas nicht ganz zusammenpasst.

Nicht, weil etwas akut falsch läuft. Sondern weil Zusammenhänge schwerer greifbar sind.

 

Manchmal ist nicht das Leben anstrengend, sondern seine Unübersichtlichkeit. Wenn Abläufe funktionieren, sich innerlich aber wenig stimmig anfühlt, fehlt häufig ein Gefühl von Zusammenhang.

Genau hier setzt ein psychologisches Konzept an, das Orientierung geben kann: der Kohärenzsinn.


INHALTSÜBERBLICK

  • Der Kohärenzsinn als psychologisches Grundprinzip
  • Verstehen, Handhaben, Sinn finden
  • Kohärenz und Stressregulation
  • Kohärenz als Ressource im Alltag
  • Was im Alltag trägt
  • Fazit
  • Quellen

Der Kohärenzsinn – eine psychologische Perspektive

Der Begriff des Kohärenzsinns geht auf den Medizinsoziologen Aaron Antonovsky zurück und steht im Zentrum der Salutogenese – der Frage danach, was Menschen gesund erhält, auch unter belastenden Bedingungen.

 

Kohärenz beschreibt keine Eigenschaft, sondern eine innere Haltung zum Leben. Ein Grundgefühl dafür, ob das, was geschieht, innerlich zusammenpasst.
Ein ausgeprägter Kohärenzsinn verändert nicht die Anforderungen des Lebens, sondern den Umgang mit ihnen.


Verstehen, Handhaben, Sinn finden

Psychologisch betrachtet umfasst der Kohärenzsinn drei miteinander verbundene Dimensionen.

 

Verstehbarkeit beschreibt das Erleben, Ereignisse einordnen zu können. Nicht alles muss erklärbar sein – aber ausreichend, um sich nicht ausgeliefert zu fühlen.

 

Handhabbarkeit meint das Vertrauen darauf, mit den eigenen Ressourcen umgehen zu können. Dazu zählen innere Fähigkeiten ebenso wie äußere Unterstützung.

 

Sinnhaftigkeit beschreibt die Erfahrung, dass das eigene Erleben Bedeutung hat. Sinn wirkt dabei weniger antreibend als stabilisierend.

 

Diese drei Dimensionen beeinflussen sich gegenseitig. Gerät eine aus dem Gleichgewicht, wird das Leben häufig als anstrengender oder unübersichtlicher erlebt.


Kohärenz und Stress

Aktuelle psychologische Forschung zeigt deutlich, dass ein gut entwickelter Kohärenzsinn eine stresspuffernde Wirkung hat. Menschen mit höherer Kohärenz erleben Belastungen seltener als überwältigend, berichten von mehr Selbstwirksamkeit und verfügen über eine stabilere Emotionsregulation.

 

Stress entsteht dabei nicht allein durch äußere Anforderungen, sondern durch das Gefühl von Unübersichtlichkeit und fehlender Sinnhaftigkeit. Kohärenz wirkt hier ordnend – nicht, indem sie Probleme löst, sondern indem sie Orientierung ermöglicht.


Kohärenz ist dynamisch – kein Idealzustand

Kohärenz zeigt sich nicht dauerhaft und gleichmäßig. Sie verändert sich – je nach Lebensphase, Belastung und innerer Stabilität. Es gibt Zeiten, in denen vieles stimmig wirkt, und andere, in denen Zusammenhänge schwerer greifbar sind. Beides gehört zum Leben dazu.

 

Gerade in Übergangsphasen – gesundheitlich, beruflich oder im privaten Umfeld – geraten Verstehbarkeit, Handhabbarkeit oder Sinnhaftigkeit oft ins Wanken. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck davon, dass innere Ordnung neu ausgehandelt werden muss.
Psychologisch gesund ist nicht, Kohärenz festzuhalten, sondern ihr wieder näherzukommen, wenn sie brüchig wird.


Was im Alltag trägt

Im Alltag zeigt sich oft sehr klar, was innere Stabilität unterstützt – und was sie untergräbt. Nicht immer laut, manchmal eher beiläufig. Viele Menschen nehmen diese Signale wahr, schenken ihnen aber wenig Aufmerksamkeit, weil anderes dringlicher erscheint.

 

Kohärenz entsteht häufig dort, wo innere Eindrücke ernst genommen werden. Wo nicht sofort bewertet oder korrigiert wird, sondern zunächst Raum entsteht, um wahrzunehmen: Was passt gerade – und was nicht?

 

VERSTEHEN

Nicht alles muss sofort eingeordnet oder erklärt werden. Manchmal genügt es, Unterschiede wahrzunehmen: zwischen dem, was sicher ist, und dem, was offen bleibt. Diese Unterscheidung allein kann entlasten und innere Ordnung unterstützen.

 

HANDHABBAR BLEIBEN

Handhabbarkeit zeigt sich selten in großen Lösungen. Oft liegt sie in vertrauten Strukturen, in verlässlichen Abläufen oder im Wissen darum, wo Unterstützung verfügbar ist. Kohärenz wächst dort, wo Menschen spüren, dass sie nicht alles allein tragen müssen.

 

SINN WAHRNEHMEN

Sinn entsteht nicht durch Anstrengung. Er zeigt sich häufig in Momenten, in denen etwas als stimmig erlebt wird – ruhig, ohne Erklärung. Kohärenz vertieft sich, wenn solchen Momenten Bedeutung zugestanden wird, auch wenn sie klein sind.

 

Im Alltag lässt sich nicht alles verändern und gleichzeitig lässt sich oft genauer hinschauen.

Was stärkt Dich? Was kostet Kraft? Und was davon darf bleiben?


Fazit

Der Kohärenzsinn beschreibt keine Technik, sondern eine innere Ausrichtung. Er hilft, auch in unübersichtlichen Zeiten ein Gefühl von Zusammenhang zu bewahren – zwischen dem, was geschieht, und dem, was innerlich trägt.

 

Psychologisch betrachtet ist Kohärenz eine der stillsten und zugleich wirksamsten Ressourcen für seelische Gesundheit.


Nicht, weil sie Probleme verhindert.
Sondern weil sie Orientierung ermöglicht, wenn das Leben komplex wird.


Quellen

Antonovsky, A. (2002). Unraveling the mystery of health: How people manage stress and stay well. In The health psychology reader (pp. 127-139). SAGE Publications Ltd.

 

Mittelmark, M. B., Bauer, G. F., Vaandrager, L., Pelikan, J. M., Sagy, S., Eriksson, M., ... & Meier Magistretti, C. (2022). The handbook of salutogenesis.

 

 

Pérez-Wilson, P., Marcos-Marcos, J., Morgan, A., Eriksson, M., Lindström, B., & Álvarez-Dardet, C. (2021). ‘A synergy model of health’: an integration of salutogenesis and the health assets model. Health promotion international, 36 (3), 884-894.


Super, S., Wagemakers, M. A. E., Picavet, H. S. J., Verkooijen, K. T., & Koelen, M. A. (2016). Strengthening sense of coherence: opportunities for theory building in health promotion. Health promotion international, 31 (4), 869-878.

Longevity – warum psychisches Wohlbefinden der Schlüssel für gesundes Altern ist

Stell Dir vor, Du könntest Dein biologisches Alter nicht nur von Genen oder Zufall abhängig machen, sondern auch durch Deine innere Haltung und den Umgang mit Stress beeinflussen. Aktuelle Forschung zeigt, dass wir Menschen gesund alt werden können.

 

Im Alltag zeigt sich oft sehr schnell, was uns stärkt – und was Kraft kostet.
Nicht immer lässt sich alles verändern. Aber fast immer lässt sich etwas bewusster gestalten.

Longevity bedeutet hier nicht, mehr zu tun.


Sondern genauer hinzuschauen:
Was tut mir gut?
Und was davon darf bleiben?


INHALTSÜBERBLICK

  • Eine psychologische Perspektive auf Longevity
  • Wohlbefinden als dynamisches Gleichgewicht
  • Kognitives Altern jenseits von Defizitdenken
  • Neuroplastizität und lebenslange Entwicklung
  • Was im Alltag trägt
  • Fazit
  • Quellen

Longevity - eine psychologische Perspektive

Aus psychologischer Sicht bedeutet Longevity nicht, das Altern zu vermeiden.
Es bedeutet, Wohlbefinden über Zeit hinweg zu erhalten, auch dann, wenn sich Lebensumstände, Rollen oder körperliche Voraussetzungen verändern.

Der Psychologe Tim Lomas beschreibt Wohlbefinden als etwas grundsätzlich Systemisches. Nicht als einzelne Ressource, sondern als die Fähigkeit, Balance und Harmonie über mehrere Ebenen hinweg zu gestalten:

  • zwischen Körper, Emotion und Geist
  • zwischen Selbst und Anderen
  • zwischen Mensch und Umwelt
  • zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

 

Flourishing – menschliches Aufblühen – entsteht dort, wo diese Systeme nicht perfekt funktionieren, sondern immer wieder neu ausbalanciert werden.
Longevity wird damit weniger zu einem Ziel als zu einer Haltungsfrage:
Wie gehen wir mit uns selbst um, wenn das Leben komplexer wird?


Psychisches Wohlbefinden als Schutzfaktor

Die aktuelle psychologische Forschung zeigt klar:
Psychisches Wohlbefinden ist kein weicher Faktor, sondern ein zentraler Schutzmechanismus für gesundes Altern.

Emotionale Stabilität, Sinnorientierung und soziale Verbundenheit wirken regulierend auf Stresssysteme, Entzündungsprozesse und neuroendokrine Abläufe. Chronischer Stress hingegen beschleunigt nachweislich biologische Alterungsprozesse.

 

Longevity ist deshalb keine rein körperliche Frage.
Sie ist psychologisch vermittelt – über Wahrnehmung, Bewertung, Beziehung und Selbstregulation.


Kognitives Altern: Abschied vom Defizitmodell

Die Forschung zum kognitiven Altern hat in den letzten Jahren einen deutlichen Perspektivwechsel vollzogen.
Erickson und Kolleg:innen zeigen, dass Altern nicht zwangsläufig mit geistigem Abbau gleichzusetzen ist. Vielmehr gibt es erhebliche individuelle Unterschiede – beeinflusst durch Lebensstil, mentale Aktivierung und psychologische Faktoren.

Besonders relevant sind dabei:

  • die innere Haltung zum eigenen Altern
  • geistige Offenheit und Lernbereitschaft
  • emotionale Regulation
  • eine sinnvolle Alltagsstruktur

 

Kognitive Funktionen lassen sich erhalten und teilweise sogar verbessern, wenn Menschen eingebunden bleiben – mental, emotional und sozial.


Neuroplastizität: Das Gehirn bleibt beweglich

Ein zentrales Argument gegen resignatives Alternsdenken liefert die Neuroplastizitätsforschung.
Die Studie von Milbocker et al. (2024) beinhaltet eine Übersicht von 2017 bis 2023 und zeigt, dass das menschliche Gehirn lebenslang anpassungsfähig bleibt.

 

Veränderungen finden statt durch:

  • Lernen und neue Erfahrungen
  • geistige und soziale Anregung
  • Umweltqualität
  • emotionale Sicherheit

 

Besonders deutlich zeigt sich auch der gegenteilige Effekt: soziale Isolation und Reizarmut wirken wie ein Entzug für das Gehirn.

Psychologisch bedeutet das:
Beziehung, Sinn und geistige Anregung sind keine Zugaben – sie sind aktive Schutzfaktoren.


Was im Alltag trägt

Manchmal beginnt Longevity nicht mit einer Veränderung, sondern mit einem kurzen Innehalten.

Mit der Wahrnehmung, wo im Alltag Balance entsteht – und wo sie verloren geht. Nicht wertend, sondern beobachtend.

Viele Menschen spüren sehr genau, wann ihr inneres System aus dem Gleichgewicht gerät. Und oft wissen sie auch, was ihnen helfen würde. Longevity heißt in diesem Sinne, diesem Wissen wieder mehr Raum zu geben.


GEISTIGE BEWEGLICHKEIT

Ein bewegliches Gehirn braucht keine permanente Anstrengung. Es braucht Anregung.
Neue Gedanken. Andere Perspektiven. Gespräche, die Tiefe haben.

 

Vielleicht ist es ein Thema, das Dich interessiert.
Vielleicht ein Moment, in dem Du Dir erlaubst, etwas nicht sofort zu wissen.

Geistige Aktivierung entsteht nicht durch Tempo, sondern durch Neugier.


VERBUNDENHEIT

Longevity ist kein Solo-Projekt.
Psychologische Forschung zeigt immer wieder, wie stark soziale Resonanz unser Wohlbefinden beeinflusst – emotional wie biologisch.

 

Es lohnt sich, aufmerksam zu sein für die Momente, in denen Du Dich gesehen, gehört oder verstanden fühlst. Und ebenso für jene, in denen das fehlt. Nicht, um etwas zu erzwingen, sondern um bewusster zu wählen, was Dir guttut.


SELBSTMITGEFÜHL

Gesundes Altern braucht keinen inneren Antreiber.
Es braucht eine Haltung, die freundlich bleibt – auch dann, wenn etwas nicht gelingt.

 

Selbstmitgefühl wirkt leise. Aber es reguliert Stress, stärkt emotionale Stabilität und unterstützt nachhaltige Veränderungen. Gerade über die Zeit hinweg.


Du musst nicht alles gleichzeitig verändern. Oft reicht es, eine Sache ernst zu nehmen, die Dir guttut – und ihr etwas mehr Platz zu geben. Longevity wächst nicht aus Disziplin - sondern aus Aufmerksamkeit.


Fazit

Longevity ist kein Projekt und kein Versprechen auf Kontrolle.
Aus psychologischer Sicht geht es um etwas anderes:
um die Fähigkeit, über die Zeit hinweg in Beziehung zu bleiben – mit sich selbst, mit anderen und mit dem eigenen Leben.

 

Gesundes Altern zeigt sich dort, wo Menschen innere Balance erleben, Sinn spüren und geistig beweglich bleiben.


Nicht durch Druck.
Nicht durch Selbstoptimierung.
Sondern durch eine Haltung, die Entwicklung zulässt und Grenzen respektiert.

 

Vielleicht beginnt Longevity genau hier:
im bewussteren Umgang mit dem, was uns stärkt – und mit dem Mut, es regelmäßig zu pflegen.


Quellen

Erickson, K. I., Donofry, S. D., Sewell, K. R., Brown, B. M., & Stillman, C. M. (2022). Cognitive aging and the promise of physical activity. Annual Review of Clinical Psychology, 18(1), 417-442.

 

Lomas, T., Pawelski, J. O., & VanderWeele, T. J. (2025). Flourishing as ‘sustainable well-being’: balance and harmony within and across people, ecosystems, and time. The Journal of Positive Psychology, 20(2), 203-218.

 

Milbocker, K. A., Smith, I. F., & Klintsova, A. Y. (2024). Maintaining a dynamic brain: a review of empirical findings describing the roles of exercise, learning, and environmental enrichment in neuroplasticity from 2017-2023. Brain Plasticity, 9(1-2), 75-95.

Entspannungsmethoden im Überblick - schnelle Hilfe, langfristige Stärke

Fühlst Du Dich manchmal unruhig, angespannt, erschöpft und wünschst Dir sofort eine kleine Pause? Oder spürst Du, dass Du Dir langfristig mehr Erholung und Stabilität aufbauen möchtest? Beides ist wichtig – und beides braucht unterschiedliche Wege.

 

Kurzfristige Entspannungsmethoden helfen Dir, Stress im Moment zu senken. Sie wirken schnell, sind leicht umsetzbar und lassen sich gut in den Alltag einbauen – ob zwischen zwei Terminen, in einer Warteschlange oder am Abend vor dem Einschlafen. Langfristige Methoden dagegen stärken Dein Nervensystem auf Dauer. Sie schaffen einen Ausgleich, der Dich insgesamt widerstandsfähiger macht. Gerade wenn sich Belastungen häufen, können diese Routinen ein stabiler Anker sein.

 

Viele Menschen zwischen 40 und 60, aber auch jüngere oder ältere, erleben Phasen, in denen der Stresspegel steigt. Umso wertvoller ist es, beide Wege zu kennen: die kleinen Soforthilfen und die Strategien, die Dich dauerhaft tragen.

 

In diesem Artikel erfährst Du, welche kurzfristigen und langfristigen Entspannungsmethoden wissenschaftlich untersucht sind, wie sie wirken und wie Du sie praktisch in Deinen Alltag einbauen kannst.

INHALT 

  • Studienergebnisse: Wie wirken Entspannungsmethoden?
  • Jeweils zwei alltagstaugliche Tipps für sofortige und langfristige Hilfe
  • Fazit & Quellen

STUDIENERGEBNISSE

Entspannung bedeutet, das Nervensystem aus dem Stressmodus in einen Zustand der Ruhe zu führen. Kurzfristig geschieht das über Übungen, die den Parasympathikus aktivieren – also jenen Teil des Nervensystems, der für Erholung zuständig ist. Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder kleine Achtsamkeitsmomente können diesen Effekt bereits nach wenigen Minuten auslösen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Schon einfache Atemtechniken können das Stressniveau messbar senken. Eine Studie der Stanford University (2023) fand heraus, dass Atemübungen zusammen mit achtsamer Meditation von täglich fünf Minuten die Stimmung verbessern und Angst reduzieren kann.

Auch die progressive Muskelentspannung nach Jacobson ist gut belegt. Regelmäßiges An- und Entspannen einzelner Muskelgruppen führt zu einer spürbaren Senkung von körperlicher Anspannung und innerer Unruhe.

Langfristige Methoden wirken wie ein Training für Körper und Psyche. 

Achtsamkeitsbasierte Verfahren, Yoga oder regelmäßige Meditation können die Stressreaktion nachhaltig verändern. Eine Meta-Analyse (Khoury et al., 2015) zeigte, dass achtsamkeitsbasierte Programme nicht nur Stress reduzieren, sondern auch Ängste und depressive Symptome lindern können. Auch regelmäßige körperliche Bewegung zählt zu den langfristigen Entspannungsstrategien: Sport fördert die Ausschüttung von Endorphinen, verbessert den Schlaf und erhöht die Stressresistenz.


Langfristige Methoden wirken wie ein Training für Körper und Psyche.

Sie machen Dich insgesamt stabiler und gelassener. 

Kurzfristige Methoden sind wie ein Erste Hilfe-Koffer.

Sie verschaffen Dir sofort Erleichterung.

Am wirksamsten ist die Kombination – kleine Pausen für den Moment und feste Routinen für die Zukunft.


ALLTAGSTAUGLICHE TIPPS

Soforthilfe 1 - Atemtechnik für innere Ruhe

Wenn Du merkst, dass Anspannung Dich überrollt, probiere das physiologische Seufzen: zweimal tief einatmen, einmal langsam und vollständig seufzend ausatmen. Wiederhole diese Abfolge drei- bis fünfmal. Spüre in Deinen Körper, der Puls beruhigt sich, Dein Kopf wird klarer. Ideal in akuten Stressmomenten – ob im Büro, im Auto oder vor einem Gespräch.

Soforthilfe 2 - Muskelentspannung im Mini-Format

Du sitzt angespannt am Schreibtisch? Dann balle für ein paar Sekunden die Fäuste, halte die Spannung noch ein wenig und lass dann bewusst los. Spüre den Unterschied zu vorher. Spüre nach wie sich die Entspannung anfühlt und ausbreitet. Diese Kurzversion der progressiven Muskelentspannung wirkt sofort und lässt sich unauffällig in fast jeder Situation nutzen.

Langfristige Hilfe 1 - Tägliche Achtsamkeitsübung

Nimm Dir fünf bis zehn Minuten am Tag für Achtsamkeit – ob Meditation, bewusstes Atmen oder achtsames Gehen. Es gibt dabei kein richtiges oder falsches Tun. Wichtig ist die Regelmäßigkeit. Studien zeigen, dass selbst kurze tägliche Einheiten nach einigen Wochen das Stressempfinden deutlich verringern. Achtsamkeit trainiert Dein Gehirn, präsenter zu sein und gelassener in Stressreaktionen zu reagieren.

Langfristige Hilfe 2 - Bewegung als Ausgleich

Suche Dir eine moderate Bewegungsform, die Dir Freude macht – Spaziergänge, Yoga, Schwimmen, Fahrradfahren oder Tanzen. Schon dreimal 30 Minuten pro Woche können Wunder bewirken. Bewegung senkt Stresshormone und hebt die Stimmung. Sie schafft Abstand zum Alltag und stärkt Dich körperlich wie seelisch. Wenn Du sie fest in Deinen Alltag einplanst, wird sie zu einer verlässlichen Ressource.


FAZIT

Kurzfristige und langfristige Entspannungsmethoden ergänzen sich ideal. Die kleinen Soforthilfen helfen Dir, akuten Stress im Moment zu senken und wieder handlungsfähig zu werden. Die langfristigen Routinen stärken Dich dauerhaft und machen Dein Leben insgesamt ausgeglichener.

 

Wichtig ist ein Schritt nach dem anderen zur eigenen Gelassenheitsroutine zu gehen. Schon eine Atemübung oder ein kurzer Spaziergang können einen Unterschied machen.

Mit der Zeit wächst daraus eine stabile Grundlage, auf die Du Dich verlassen kannst.

 

Erlaube Dir, zu experimentieren und herauszufinden, was Dir guttut. Dein persönlicher Weg zu mehr Ruhe darf leicht beginnen – Schritt für Schritt, so wie es für Dich passt.


QUELLEN

Balban, M. Y., Neri, E., Kogon, M. M., Weed, L., Nouriani, B., Jo, B., ... & Huberman, A. D. (2023). Brief structured respiration practices enhance mood and reduce physiological arousal. Cell Reports Medicine, 4.

 

Jacobs, T. L., Epel, E. S., Lin, J., Blackburn, E. H., Wolkowitz, O. M., Bridwell, D. A., ... & Saron, C. D. (2011). Intensive meditation training, immune cell telomerase activity, and psychological mediators. Psychoneuroendocrinology, 36, 664-681.

 

Khoury, B., Lecomte, T., Fortin, G., Masse, M., Therien, P., Bouchard, V., ... & Hofmann, S. G. (2013). Mindfulness-based therapy: a comprehensive meta-analysis. Clinical psychology review, 33, 763-771.

 

McCallie, M. S., Blum, C. M., & Hood, C. J. (2006). Progressive muscle relaxation. Journal of human behavior in the social environment, 13, 51-66.

Zwischen Nebel und Kürbissuppe: Dein Weg durch den November-Blues

Vielleicht kennst Du das auch: Der November bringt kürzere Tage, grauen Himmel und manchmal dieses Gefühl von Schwere. Plötzlich fehlt Dir die Leichtigkeit, Deine Energie sinkt, und die Stimmung wirkt gedämpft. Viele Menschen erleben genau das – den sogenannten November-Blues.

 

Du bist damit nicht allein – viele Menschen erleben diese Veränderung, und es ist völlig nachvollziehbar. Dein Körper und Deine Seele reagieren auf weniger Licht und veränderte Routinen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Du bewusst gut für Dich sorgst.

 

Emotionale Selbstfürsorge bedeutet, dass Du Deine Gefühle ernst nimmst, Dir Wärme schenkst und kleine Lichtblicke in Deinen Alltag holst. So kannst Du auch in den grauen Tagen Deine innere Balance stärken und Deinen November mit neuer Kraft gestalten.

 

INHALT

  • Warum uns der November so herausfordert
  • 5 Tipps für Deine emotionale Selbstfürsorge im November
  • Fazit & Quellen

WARUM UNS DER NOVEMBER SO HERAUSFORDERT

Im November bekommen wir deutlich weniger Tageslicht – und genau das spüren viele von uns. Weniger Licht bedeutet, dass Dein Körper weniger Serotonin bildet, das Glückshormon. Gleichzeitig produziert er mehr Melatonin, das Dich müde macht. Beides zusammen sorgt dafür, dass Deine Stimmung gedämpft ist und Du Dich schneller erschöpft fühlst.

 

Auch Deine innere Uhr – der zirkadiane Rhythmus – gerät aus dem Takt, wenn es morgens lange dunkel bleibt. Dadurch fühlen sich die Tage möglicherweise schwerer an und auch Dein Schlafrhythmus kann durcheinanderkommen.

 

Studien zeigen, dass in den Herbst- und Wintermonaten viele Menschen eine leichte depressive Verstimmung entwickeln – den sogenannten saisonalen Blues. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 bis 20 Prozent aller wiederkehrenden Depressionen einem saisonalen Muster folgen. Am häufigsten tritt dieses Muster im Herbst und Winter auf, während die Symptome im Frühjahr und Sommer meist wieder nachlassen (Roecklein & Rohan, 2005).

 

Wichtig ist: Der saisonale Blues unterscheidet sich von einer Depression in seiner Schwere und Dauer. Typisch dafür sind gedrückte Stimmung, geringere Motivation oder Reizbarkeit – Symptome, die sich oft mit dem zunehmenden Tageslicht verbessern. Bei einer Depression dagegen bleiben diese Beschwerden bestehen und erfordern professionelle Unterstützung.

 

Als eine der wirksamsten Maßnahmen gegen den saisonalen Blues gilt Licht: Tageslicht oder spezielle Lichtquellen können den Hormonhaushalt stabilisieren und die Stimmung deutlich verbessern (Wirz-Justice, 2018). Ergänzend können Bewegung, bewusste Selbstfürsorge und soziale Kontakte helfen, den Kreislauf von Schwere, Rückzug und Energielosigkeit zu durchbrechen.


5 TIPPS FÜR DEINE EMOTIONALE SELBSTFÜRSORGE IM NOVEMBER

1. Tanke bewusst Licht

Nutze jede Gelegenheit, um draußen zu sein – selbst wenn es nur ein kurzer Spaziergang in der Mittagspause ist. Natürliches Tageslicht wirkt stimmungsaufhellend und stabilisiert Deinen inneren Rhythmus. Wenn es Dir möglich ist, probiere zusätzlich eine Tageslichtlampe aus.

2. Erlaube Dir Deine Gefühle

Wenn Schwere oder Müdigkeit auftauchen, kämpfe nicht sofort dagegen an. Nimm wahr, was da ist. Alle Gefühle dürfen sein. Schon allein das Annehmen entlastet und schafft Raum für Veränderung. Vielleicht nutzt Du dafür eine Journaling-Methode

3. Pflege kleine Routinen

Struktur gibt Halt – gerade dann, wenn Deine Motivation nachlässt. Vielleicht ist es eine feste Morgenroutine, ein kurzer Abendspaziergang oder ein Ritual mit Tee und Kerze. Diese kleinen Konstanten schenken Sicherheit. Um diese neuen Routinen in Deinem Alltag zu festigen, hilft Dir vielleicht die WOOP-Methode.

4. Pflege soziale Kontakte

Auch wenn Du manchmal lieber für Dich bleiben würdest: Nähe und Austausch tun gut. Verabrede Dich bewusst mit Menschen, die Dir guttun. Ein Gespräch, gemeinsames Lachen oder einfach Zeit miteinander – all das stärkt Deine emotionale Balance.

5. Schaffe Lichtblicke

Nutze diese dunklere Jahreszeit für Dinge, die Dir Freude machen: Musik hören, schreiben, malen, tanzen, kochen – was auch immer Dich lebendig fühlen lässt. Solche Momente wirken wie kleine Energieinseln im grauen Alltag.


FAZIT

Vielleicht weißt Du selbst schon genau, was Dir im November guttut – und vielleicht entdeckst Du gerade erst neue Wege für Dich. Beides ist richtig und wertvoll. Es gibt nicht den einen perfekten Umgang mit dem November-Blues, sondern nur Deinen ganz persönlichen.

 

Erinnere Dich daran: Kleine Schritte reichen völlig aus. Ein kurzer Spaziergang, ein offenes Gespräch, ein Moment mit Kerze und Tee – all das kann schon eine große Wirkung haben. Vertraue darauf, dass Du Dein inneres Wissen mitbringst und Dir selbst näherkommst, wenn Du gut für Dich sorgst.

 

So kann der November nicht nur graue Tage bringen, sondern auch viele kleine Oasen von Leichtigkeit und Wärme, die Dich stärken.


QUELLEN

Roecklein, K. A., & Rohan, K. J. (2005). Seasonal affective disorder: an overview and update. Psychiatry (Edgmont), 2(1), 20.

 

Wirz-Justice, A. (2003). Chronobiology and mood disorders. Dialogues in clinical neuroscience, 5(4), 315-325.


Sollte es doch über eine Verstimmung im November hinausgehen - bei Dir oder bei jemandem in Deinem Umfeld,

wende Dich bitte an:

Deutsche Depressionshilfe

0800 - 3344533

Mo, Di, Do: 13:00 -17:00 Uhr

Mi, Fr 8:30-12:30 Uhr

Das Telefonat ist kostenfrei.

Mehr Wald, weniger Stress - wie Natur Deine Resilienz stärkt

Stell Dir vor, Du gehst durch einen Wald. Das Licht fällt durch die Blätter, die Luft riecht frisch und würzig – so typisch nach Waldboden - und mit jedem Schritt spürst Du, wie Deine Anspannung nachlässt. Dieses Gefühl kennen viele – und es ist mehr als nur Einbildung. Studien zeigen, dass Naturaufenthalte messbar gut für Körper und Psyche sind.

Gerade in einer Zeit, in der unser Alltag von Bildschirmen, Terminen und künstlichen Reizen geprägt ist, kann die Natur ein Gegengewicht schaffen. Sie beruhigt unser Nervensystem, senkt Stresshormone, fördert Konzentration und hebt die Stimmung. Schon wenige Minuten im Grünen können eine spürbare Wirkung haben.

Besonders spannend: Natur stärkt auch Deine Resilienz – also Deine Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen. Wer regelmäßig Auszeiten im Grünen erlebt, erholt sich schneller von Stress und gewinnt neue Energie. Das gilt sowohl für längere Wanderungen, als auch für kleine Pausen im Park oder sogar für den Blick ins Grüne aus dem Fenster.

In diesem Artikel erfährst Du

  • was die Forschung über die Wirkung von Natur weiß,
  • wie Naturerleben Deine Stressresistenz steigern kann,
  • wie Du mit kleinen alltagstaugliche Impulsen für noch etwas mehr Grün in Deinen Leben sorgst.

DER BLICK DER WISSENSCHAFT

Die Forschung der letzten Jahre macht deutlich: Naturaufenthalte sind mehr als ein schönes Erlebnis – sie haben messbare Effekte auf Körper und Psyche. Ein zentrales Modell ist die Attention Restoration Theory (Kaplan & Kaplan, 1989). Sie besagt: Naturräume entlasten unser Gehirn, weil sie eine sanfte, mühelose Aufmerksamkeit ermöglichen. Anders als Bildschirme oder laute Umgebungen beansprucht die Natur unsere Konzentration nicht – dadurch kann sich das Gehirn regenerieren.

Eine große Metaanalyse (Twohig-Bennett & Jones, 2018) mit über 140 Studien konnte zeigen, dass Menschen, die regelmäßig Zeit in der Natur verbringen ein geringeres Risiko für Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen haben. Schon kleine Dosen an Naturerleben reichen, um die positiven Effekte spürbar zu machen.

Auch akute Stressreaktionen lassen sich durch Naturkontakt reduzieren. Eine Studie der University of Michigan (Berman et al., 2008) belegte, dass einfache und kurze Interaktionen mit der Natur zu einer deutlichen Verbesserung der Gedächtnisleistung führen.


Waldbaden (Shinrin Yoku) wird seit längerem aufgrund seiner positiven Auswirkungen auf das menschliche Wohlbefinden als eine Schnittstelle zwischen Umweltwissenschaften, öffentlicher Gesundheit und Wohlbefinden sowie dem Schutz von Ökosystemen studiert.


Und welchen Unterschied macht das für Dich?

Natur wirkt wie eine kostenlose und jederzeit zugängliche Ressource für Deine Gesundheit. Schon kurze Pausen im Grünen helfen, Stress abzubauen und die innere Widerstandskraft zu stärken. Regelmäßige Routinen – sei es ein Spaziergang im Park, Gartenarbeit oder bewusste Atemzüge am offenen Fenster – können Deine Resilienz nachhaltig fördern.


PRAKTISCHE IMPULSE FÜR MEHR GRÜN IM ALLTAG

Kleine Grün-Pausen im Alltag nutzen

Schon wenige Minuten am Tag im Park, auf dem Balkon, im Garten oder am offenen Fenster mit Blick ins Grüne können beruhigend wirken. Setze oder stelle Dich bewusst hin, atme tief durch und nimm Deine Umgebung mit allen Sinnen wahr. 

  • Was siehst Du?
  • Was hörst Du?
  • Was riechst Du?

Routinen schaffen

Plane Naturzeit so selbstverständlich wie andere Termine. Ein Spaziergang nach dem Mittagessen, zehn Minuten im Garten oder eine feste Grün-Pause am Abend machen einen Unterschied. Regelmäßigkeit zählt mehr als Dauer. Wer sich kleine Routinen schafft, profitiert langfristig von stabilerer Stimmung und mehr innerer Balance.

Bewegung ins Grüne verlegen

Verbinde Bewegung mit Natur. Mache einen Spaziergang, eine kleine Joggingrunde oder Yoga im Park oder Garten. So kombinierst Du körperliche Aktivität mit den positiven Effekten des Naturerlebens. Dein Körper und Geist erholen sich dabei gleichzeitig.

Natur in den Alltag holen

Wenn Du Dir wenig Zeit für draußen schaffen kannst, dann hole Dir Natur nach drinnen. Pflanzen in der Wohnung, ein Strauß Blumen auf dem Tisch oder ein Naturbild als Bildschirmhintergrund können nachweislich Stress senken. 


Wähle heute eine kleine Natur-Geste für Dich

Vielleicht magst Du gleich heute starten und ausprobieren, was für Dich gut passt – vielleicht sind es ein paar Minuten am offenen Fenster, ein kurzer Spaziergang um den Block oder ein Telefonat im Grünen statt drinnen. Schon diese kleinen Momente bringen mehr Ruhe, Klarheit und Energie in Deinen Tag – und sie stärken auf Dauer Deine Resilienz.


FAZIT

Natur ist ein Geschenk, das direkt vor unserer Haustür liegt – und wirksam für Körper und Psyche zugleich. Ob ein kurzer Blick ins Grüne, ein Spaziergang im Park oder eine bewusste Auszeit im Wald: Jede Begegnung mit Natur kann Stress senken und Resilienz stärken.

Wichtig ist, dass Du Deinen eigenen Weg findest. Für manche ist es der tägliche Spaziergang, für andere die Balkonpflanzen oder ein Wochenende in der Natur. Alles zählt – und schon kleine Schritte bringen spürbare Wirkung.

Nimm Dir die Freiheit, Natur so in Dein Leben einzuladen, wie es zu Dir passt. Mit Leichtigkeit, Neugier und Freude. Dein Körper und Dein Geist werden es Dir danken – mit mehr Ruhe, Klarheit und innerer Stärke.


QUELLEN

Berman, M. G., Jonides, J., & Kaplan, S. (2008). The cognitive benefits of interacting with nature. Psychological science, 19, 1207-1212.

 

Hong, W., Zhu, S., Lu, D., & Ieong, C. (2025). A Bibliometric and Visualization Analysis of Forest Therapy Research: Investigating the Impact of Forest Environments on Human Physiological and Psychological Well-Being. Journal of Environmental & Earth Sciences| Volume, 7(05).

 

Kaplan, R. & Kaplan, S. (1989). The experience of nature: A psychological perspective. Cambridge university press.

 

Twohig-Bennett, C. & Jones, A. (2018). The health benefits of the great outdoors: A systematic review and meta-analysis of greenspace exposure and health outcomes. Environmental research, 166, 628-637.

Journaling im Alltag – Klarheit gewinnen, innere Stärke entwickeln

Kennst Du das Gefühl, wenn die Gedanken kreisen und kein klarer Faden erkennbar ist? In Zeiten von Veränderungen ist der Kopf oft voller Fragen, To-do-Listen und Sorgen. Viele Menschen erleben diese Phasen als besonders fordernd – ob in den Vierzigern oder Sechzigern, am Anfang der beruflichen Laufbahn oder mitten in einer neuen Lebenssituation. Veränderungen betreffen uns alle: im Job, in der Familie, in Beziehungen oder durch gesundheitliche Themen. All das kostet Kraft – und oft fehlt der Raum, die eigenen Gefühle und Gedanken zu sortieren.

Genau hier setzt Journaling an. Mit Stift und Papier schaffst Du Dir einen Ort, an dem alles Platz hat: Deine Gedanken, Deine Sorgen und gleichzeitig auch Deine Wünsche und Ideen. Das Schreiben bringt nicht nur Klarheit und möglicherweise neue Blickwinkel, sondern kann auch wie ein Anker wirken. Es hilft Dir, innere Stärke zu entwickeln und Dich inmitten von Veränderungen zu stabilisieren – Stärke im innen und außen. In diesem Artikel erfährst Du, wie Journaling wirkt, was aktuelle Studien dazu sagen und wie Du einfache Methoden sofort für Dich nutzen kannst. So kannst Du einen Weg finden, Schritt für Schritt gelassener und strukturierter durch Deinen Alltag zu gehen.

INHALT 

  • Die Wissenschaft dahinter
  • Vier praktische Tipps für Dein Journaling
  • Fazit & Quellen

DIE WISSENSCHAFT DAHINTER

Journaling, insbesondere das expressive Schreiben – also das Aufschreiben von Gefühlen, Sorgen oder positiven Erfahrungen – wird in der Forschung seit Jahrzehnten untersucht. Studien zeigen, dass diese Form des Schreibens nicht nur die Psyche stärkt, sondern auch körperliche Effekte hat: besseres Immunsystem, niedrigeren Blutdruck, weniger Arztbesuche und gesteigertes Wohlbefinden.

 

Eine Meta-Analyse aus 2022 zeigte, dass Journaling-Interventionen bei psychischen Symptomen wirken können: Angststörungen reduzierten sich, depressive Symptome gingen spürbar zurück. Besonders wirksam zeigte sich das Führen eines Dankbarkeitstagebuchs. Schon die kleine Übung, jeden Abend drei gute Dinge aufzuschreiben und kurz zu erklären, warum sie geschahen, konnte Optimismus und Schlafqualität über Monate hinweg verbessern. Auch zukunftsorientiertes, positives Schreiben – also die Beschreibung des bestmöglichen Selbst – führte in Studien zu Stimmungsverbesserungen und stärkte das Vertrauen in die eigenen Ressourcen.


PRAKTISCHE TIPPS FÜR DEIN JOURNALING

Gedanken-Entlastung - freies Schreiben ohne Bewertung

Nimm Dir 10–15 Minuten und schreibe alles auf, was Dir in den Kopf kommt. Ohne Struktur, ohne Korrekturen. Es geht nicht darum, schön oder korrekt zu schreiben, sondern Deine Gedanken aus dem Kopf aufs Papier zu bringen. Die innere Kritiker:innenstimme darf hier Pause machen. Studien zeigen, dass genau dieses expressive Schreiben Stress senkt und das Gefühl innerer Klarheit steigert.

Dankbarkeit festhalten - kleine Schritte mit großer Wirkung

Notiere jeden Abend drei Dinge, für die Du dankbar bist. Wichtig: Füge auch hinzu, warum Du sie erlebst. Das kann Dein inneres Erleben steigern.

 

Beispiele:

  • Ich bin dankbar für den Spaziergang mit meiner Freundin, weil er mir Nähe und Leichtigkeit gegeben hat.
  • Ich habe mich über die Blumen am Wegesrand gefreut, weil ich die Farbenpracht in der Natur liebe.

Schon wenige Sätze reichen aus. Diese Methode stärkt nachweislich Optimismus und wirkt sich positiv auf Schlaf und Stimmung aus.

Zukunftsblick - Dein bestmögliches Selbst beschreiben

Setz Dich einmal in der Woche hin und schreibe für 15 Minuten:

  • Wie sieht Dein Leben in einem Jahr aus, wenn sich alles so entwickelt, wie Du es Dir wünscht?
  • Welche Stärken von Dir tragen dazu bei?

Diese Übung verbindet Hoffnung mit Selbstvertrauen. Sie hilft Dir, in Phasen der Unsicherheit Orientierung zu gewinnen.

Struktur durch Fragen - Halt für Deinen Alltag

Manchmal fällt es schwer, einfach so anzufangen.

Dann können Fragen helfen:

  • Was war heute mein wichtigster Moment?
  • Was hat mich herausgefordert?
  • Was möchte ich morgen anders machen?

Durch diese Fragenstruktur entsteht ein roter Faden, der Dir Halt gibt und Dich unterstützt dranzubleiben.


Wähle eine Methode, die sich leicht in Deinen Alltag integrieren lässt.

Starte klein – vielleicht mit fünf Minuten am Abend. Lege Dein Journal und einen Stift sichtbar hin, damit es Dich erinnert. Vielleicht hast Du Dir dafür ein ganz besonderes Büchlein gegönnt und nutzt einen bedeutsamen Stift zum Schreiben.

 

Entscheidend ist nicht die Menge, sondern die Regelmäßigkeit. Mit der Zeit wird das Schreiben zu einer Ressource, die Dir Struktur gibt und Deine innere Stärke nährt.


FAZIT

Journaling ist mehr als nur Schreiben. Es ist ein einfacher, wirksamer Weg, Deine Gedanken zu ordnen, Klarheit zu gewinnen und innere Stärke aufzubauen. Studien zeigen, dass schon wenige Minuten täglich einen Unterschied machen: weniger Stress, mehr Optimismus und ein stabileres Gefühl für sich selbst.

 

Wichtig ist, dass Du eine Form findest, die zu Dir passt – ob freies Schreiben, Dankbarkeitstagebuch oder Zukunftsblick. Kleine Schritte reichen, um langfristig Wirkung zu spüren.

 

Erlaube Dir, diesen Raum für Dich zu schaffen. Dein Journal kann zu einem sicheren Ort werden, an dem Du Dich sammelst, stärkst und Deine nächsten Schritte gestaltest.


QUELLEN

Emmons, R. A. & McCullough, M. E. (2003). Counting blessings versus burdens: An experimental investigation of gratitude and subjective well-being in daily life. Journal of Personality and Social Psychology, 84, 377–389.

 

Frattaroli, J. (2006). Experimental disclosure and its moderators: a meta-analysis. Psychological Bulletin, 132, 823–865.

 

Sohal, M., Singh, P., Dhillon, B. S., & Gill, H. S. (2022). Efficacy of journaling in the management of mental illness: a systematic review and meta-analysis. Family medicine and community health, 10, e001154.

 

Travagin, G., Margola, D. & Revenson, T. A. (2015). How effective are expressive writing interventions for adolescents? A meta-analytic review. Clinical Psychology Review, 36, 42–55.

Resilienz im Alltag – wie kleine Impulse Deine Widerstandskraft stärken

Kennst Du diese Tage, an denen schon beim Aufstehen klar ist: Heute wird es viel? Zwischen Job, Familie und eigenen Erwartungen bleibt oft kaum Raum zum Durchatmen. Genau in solchen Momenten zeigt sich, wie wichtig Resilienz ist – unsere innere Widerstandskraft.

Die gute Nachricht: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine Fähigkeit, die wir Schritt für Schritt aufbauen können. Und aktuelle Studien zeigen, dass schon kleine Impulse – sogar online – einen spürbaren Unterschied machen. In diesem Beitrag erfährst Du, wie Resilienz funktioniert, welche Forschungsergebnisse Mut machen und wie Du sie direkt in Deinen Alltag integrieren kannst.

INHALT

  • Wissenschaftlicher Hintergrund & Studienbeispiele
  • Was bedeutet das für Dich?
  • Drei Wege, Deine Resilienz im Alltag zu stärken
  • Fazit & Quellen

WISSENSCHAFTLICHER HINTERGRUND & STUDIENBEISPIELE

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen, sich nach Krisen zu erholen und handlungsfähig zu bleiben. Wichtig dabei: Es geht nicht darum, alles wegzustecken oder stark zu wirken. Resilienz heißt vielmehr, sich den Herausforderungen bewusst zu stellen – und daraus neue Stärke zu entwickeln.

 

Aktuelle Forschung zeigt, dass Resilienz trainierbar ist:

- CORE-Programm (2025): In einer multinationalen Studie mit Studierenden arbeiteten Teilnehmende sechs Wochen mit einem interaktiven Online-Programm. Ergebnis: signifikante Resilienzzuwächse, weniger Angst- und Depressionssymptome, mehr Wohlbefinden – Effekte bis zu 12 Monate später.

 

- 6Wochen-Online-Intervention (2025): Erwachsene (18–54 Jahre) erhielten zweimal pro Woche kurze Video-Impulse. Bereits nach sechs Wochen zeigte sich, dass die Resilienz deutlich stieg, Stress und Sorgen sanken messbar.


Was bedeutet das für Dich?

Resilienz entsteht nicht durch einen großen Kraftakt, sondern durch kleine, regelmäßige Impulse. Schon wenige Minuten pro Woche können einen nachhaltigen Unterschied machen.


DREI WEGE, DEINE RESILIENZ IM ALLTAG ZU STÄRKEN

1) Nutze kurze Video-Impulse:

Schau dir regelmäßig kurze Inhalte an – Mini-Workshops, Achtsamkeitsübungen, Reflexionsfragen. Schon zweimal pro Woche reichen, um spürbare Effekte zu erzielen.

 

2) Reflektiere eigene Resilienzmomente:

Nimm dir am Abend drei Minuten Zeit: "Was hat mir heute Kraft gegeben?" – "Wann blieb ich trotz Stress handlungsfähig?" Damit trainierst Du Deinen Blick für Deine Stärken.

 

3) Schaffe Mini-Routinen im Alltag:

Eine kurze Atempause, ein Spaziergang nach dem Mittagessen oder ein kleines Abendritual wirken wie Anker. Sie geben Halt und stärken Schritt für Schritt Deine Widerstandskraft.


FAZIT

Resilienz wächst nicht durch große Anstrengung, sondern durch kleine, konsequente Schritte. Die Forschung zeigt: Schon wenige Minuten pro Woche können Deine Widerstandskraft spürbar erhöhen. Ob durch kurze Videos, bewusste Reflexion oder kleine Routinen – jeder Schritt zählt.

 

Du musst nicht alles auf einmal verändern. Fang klein an – und erlebe, wie Deine innere Stärke mit dir wächst.

Wenn Du tiefer einsteigen möchtest, begleite ich Dich gerne – professionell und menschlich – auf Deinem Weg zu mehr Klarheit, Leichtigkeit und innerer Kraft.


QUELLEN

Herrero, R., Franke, M., Görlich, D., Garcia-Palacios, A., Banos, R., Jacobi, C., ... & Botella, C. (2025). Efficacy of the internet-based intervention “Cultivating our resilience”(CORE) for improving resilience and coping strategies in university students: A randomized controlled trial. Internet Interventions, 39, 100811.

 

Leitner, M., Fink, A., Fruhwirth, V., Hechenberger, S., Enzinger, C., & Pinter, D. (2025). Navigating life's challenges: A randomized 6‐week online intervention study to enhance resilience in working‐age adults. Applied Psychology: Health and Well‐Being, 17, e70023.

Stress – Was ist das genau?

Stress – Was ist das genau? Wie ticke ich? Welche Auswirkungen kann chronischer Stress haben? Wie kann ich gezielt mit wenig zeitlichem Aufwand meine Stressresistenz erhöhen?

 

Antworten zu diesen Fragen findest Du in diesem Blogartikel. Es soll hier um eine Annäherung an das Thema gehen – bei jedem Punkt so kurz & knapp wie möglich, mit wissenschaftlichem Hintergrund und praktischen Tipps zur Umsetzung.

INHALT

  • Was ist Stress?
  • Was sind Stressoren?
  • Wissenschaftliche Stresstheorien
  • Dein Stresslevel - Wie geht es Dir gerade?
  • Welche Folgen kann chronischer Stress haben?
  • Praxistipps
  • Fazit & Quellen

WAS IST STRESS?

Stress ist ein evolutionäres Zeichen dafür, dass wir aus dem Gleichgewicht geraten sind und eine mögliche Gefahr für unser Leben bestehen könnte. Aus dieser Perspektive betrachtet handelt es sich bei Stresserleben, um einen natürlichen Teil des Lebens.

Stresserleben ist ganz individuell. Es ist nicht nur der Stressor, der das Erleben beeinflusst, sondern auch wie Du diese Situationen bewertest.


WAS SIND STRESSOREN?

Stressoren beeinflussen unser Wohlbefinden und unser psychisches Gleichgewicht. Es gibt unterschiedliche Kategorien von Stressoren, die auf Dich wirken können. Das Gesamtpaket der Einflüsse hat am Ende zusätzlich eine Auswirkung auf Dein Erleben und den Umgang damit.

  • Physische Stressoren: Lärm, Hitze, Kälte oder auch chronischer Schmerz
  • Psychische Stressoren:  Zukunftssorgen, Versagensangst, Leistungsdruck, Gedankenkreisen, Perfektionismus, Ungeduld
  • Soziale Stressoren: Konflikte, mangelnde Anerkennung, Einsamkeit

Jede Veränderung im Leben bedeutet Anpassung an neue Gegebenheiten und ist daher ebenfalls verbunden mit Stresserleben. Es kann dabei ein positives Ereignis sein, wie z.B. die eigene Hochzeit oder der gewünschte Ortswechsel, wie auch negative Ereignisse, wie der Verlust eines geliebten Menschen oder die ungewollte Kündigung des Jobs.


WISSENSCHAFTLICHE STRESSTHEORIEN

Allgemeines Adaptationssyndrom nach Selye

Hans Selye (1907-1982 - Mediziner und Biochemiker) wird auch als Vater der Stresstheorie bezeichnet. In seinem Modell wird der Fokus auf die körperliche Reaktion auf seelische oder körperliche Belastung gelegt. 

Das Modell besteht aus drei aufeinanderfolgenden Phasen.

  1. Alarmphase: Ausschüttung von Stresshormonen, die der Bereitstellung von Energie dienen.
  2. Widerstandsphase: Reduzierung der Stresshormone und Herstellung des körperlichen Normalzustands wird angestrebt. 
  3. Erschöpfungsphase: Bei langanhaltender Aktivierung des Körpers kann es zur Erschöpfung kommen. Auswirkungen dessen findest Du bei beim Punkt Folgen chronischen Stresserlebens.

Transaktionales Stressmodell nach Lazarus

Das Modell nach dem Psychologen Richard Lazarus (1922-2002) beschreibt die Entstehung von Stress als ein Übersteigen der Anforderungen von vorhandenen Ressourcen. Eine individuelle Bewertung der Situation ist ausschlaggebend.

Das Modell definiert Stress als dynamischen Prozess zwischen Person und Umwelt.

  • Primäre Bewertung: Ist die Situation für mich bedeutungslos, herausfordernd oder bedrohlich?
  • Sekundäre Bewertung: Habe ich ausreichend Ressourcen für die Bewältigung? 
  • Coping: Auswahl der Strategien, um mit der Situation umzugehen
  • Neubewertung: Aus der Situation lernen und neue Handlungsmöglichkeiten abspeichern

Ressourcenmodell nach Hobfoll

Die Theorie der Ressourcenerhaltung aus 1988 von Stevan Hobfoll ergänzt die Stresstheorien durch den zusätzlichen Aspekt des Strebens nach Ressourcenerhalt und des Aufbaus neuer Ressourcen. 

Stress entsteht, wenn:

  •  Verlust von Ressourcen droht
  • Ressourcen verloren werden
  • Gewinn neuer Ressourcen ausbleibt trotz Investition in den Aufbau 

DEIN STRESSLEVEL - WIE GEHT ES DIR GERADE?

Beantworte für Dich folgende Fragen. Nimm dazu im Schnitt die letzten vier Wochen. 

Sei ehrlich mit Dir selbst, ob Du Unterschiede zu anderen Zeiten in Deinem Leben feststellst.

Tausche dich im zweiten Schritt mit einem Dir wohlwollenden Menschen aus. Vielleicht erhältst Du noch einen anderen Blick darauf. Zeitweise nehmen wir Veränderung an uns selbst erst als letztes wahr, nachdem unser Umfeld schon länger merkt, dass sich etwas verändert hat.

  • Bemerkst Du Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Rückenschmerzen?
  • Hast Du wenig bis keinen Appetit?
  • Gibt es Einschlafschwierigkeiten?
  • Fühlst Du Dich öfter erschöpft?
  • Hast Du Verdauungsbeschwerden?
  • Fühlst Du Dich gereizt, innerlich unruhig, nervös?
  • Bist du häufiger unzufrieden, fühlst dich leer, ausgebrannt?
  • Hast Du Alpträume?
  • Kannst Du Dich schlechter konzentrieren?
  • Passieren Dir Fehler?
  • Kreisen Deine Gedanken immer wieder um das gleiche und lassen sich nicht stoppen?
  • Bist Du aggressiver als sonst?
  • Trinkst Du mehr Alkohol oder rauchst mehr als früher?
  • Hat sich Dein Essverhalten geändert – mehr Essen oder weniger?
  • Vernachlässigst Du Deine sportliche Praxis und / oder Deinen Kontakt zu Familie oder Freunden?

Veränderungen in diesen Bereichen kann auf ein erhöhtes Stresserleben deuten. Wenn Du magst, nimm das als Warnsignale und Zeichen dafür, dass es für Deine physische und psychische Gesundheit wichtig ist, ab sofort für mehr Erholungsinseln in Deinem Alltag zu sorgen.


WELCHE FOLGEN KANN CHRONISCHER STRESS HABEN?

  • Erhöhte Cortisolausschüttung
  • Anhaltend hohes Aktivierungsniveau
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Schlafstörungen
  • Verdauungsprobleme
  • Erhöhtes Schmerzerleben
  • Steigendes gesundheitliches Risikoverhalten
  • Erhöhter Suchtmittelkonsum
  • Erhöhtes Diabetesrisiko
  • Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

In einer Metaanalyse aus 2009 von Lupien et al. konnte gezeigt werden, dass auch Veränderungen der Gehirnstruktur in den Bereichen Gedächtnis, Emotionskontrolle und Entscheidungsverhalten bei chronischem Stress möglich sind.


PRAXISTIPPS

Das Wichtigste vorweg: IRGENDWANN IST JETZT.

 

Es ist jederzeit und überall möglich Deine Stressbewältigung zu beginnen und damit positive Effekte zu erzielen. Wichtig ist, dass Du Dich kennenlernst, Du rausfindest wo sich etwas verändern lässt und was genau Dir helfen kann.

Bewusstmachen - Erkennen - Ändern

Nimm Dir gerne Papier und Stift, um Antworten zu den folgenden Reflexionsfragen zu notieren. 

  1. Was sind typische Situationen, in denen Du Dich gestresst fühlst? 
  2. Was wiederholt sich immer wieder?
  3. Wo genau verlierst du Energie?

Deinen Stressmarker erkennen

Notiere Dir bitte auch, wie Deine Reaktion in diesen Stresssituationen ist. 

  •  Wie reagierst Du körperlich, mental, emotional und in Deinem Verhalten?

Woran erkennst Du Es ist zu viel! Es reicht!?

Notiere Dir genau das, um Dich daran nächstes Mal zu erinnern und umzuschalten auf Erholung.

Ressourcen finden

In stresshaften Zeiten verlieren wir gefühlt Energie, Kraft, Geld, Sicherheit u.a.. Umso wichtiger ist es für das persönliche Wohlbefinden gegenzusteuern. 

Erstelle Dir durch die Beantwortung der folgenden Fragen eine Schatzkiste voller Ressourcen. Das können Deine Stärken, Fähigkeiten, Fertigkeiten oder auch andere Menschen und Orte sein, die Dich stärken. 

  1. Was gibt Dir Energie und Kraft? Womit kannst Du sie wieder auffüllen?
  2. Was genau hilft Dir, Dich sicher und handlungsfähig zu fühlen?
  3. Wer oder was kann Dich dabei unterstützen?

Erinnere Dich daran, wenn die nächste Stresssituation kommt, dass Du diese Liste Deiner Schätze hast, indem Du sie, z.B. in der Hosentasche, am Spiegel im Bad, an einer Magnetwand, am Laptop usw., findest.

Kleine Inseln der Erholung schaffen

  • Bewusst Atmen – fünfmal tief durch die Nase ein und den leicht geöffneten Mund wieder aus
  • Achtsames bewusstes Spazierengehen in der Mittagspause
  • Regelmäßige Mini-Pausen von drei – fünf Minuten in den Alltag einbauen, z.B. durch eine Augenentspannung – aus dem Fenster in die Ferne schauen oder Augen schließen und die gewärmten Handflächen darüberlegen
  • Zeiten für Selbstfürsorge planen, sich erinnern und bewusst umsetzen
  • Kurze Bewegungsübungen, z.B. Dehnung- und Flexibilitätsübungen

  1. Mach Dir bewusst wie Du tickst - erkenne & ändere Dein negatives Verhalten.
  2. Erkenne Deinen Stressmarker frühzeitig.
  3. Finde Deine Ressourcen.
  4. Schaffe Dir bewusst Deine Erholungsinseln.

FAZIT

Stresserleben schützt unser Überleben und gehört dazu. Wer sich kennt, Warnsignale des Körpers zulässt, einen individuellen Plan zur Erholung hat und diesen auch umsetzt, kann Auswirkungen von chronischem Stress entgegenwirken.

 

Mit einem ersten kleinen Schritt zum passenden Erholungsritual kannst Du Dein Wohlbefinden und Deine innere Stärke (weiter) ausbauen und sichern.


QUELLEN

Hobfoll, S.E. (1989). Conservation of Resources – A new Attempt of Conceptualizing Stress. American Psychologist, 44, 513-524.

Kaluza, G. (2011). Stressbewältigung. Heidelberg: Springer.

Lazarus, R.S. (1966). Psychological stress and the coping process. New York: MacGraw Hill.

Lupien, S.J., MacEwen, B.S., Gunnar, M.R. & Heim, C. (2009). Effects of Stress throughout the Lifespan on the Brain, Behaviour and Cognition. Neuroscience, 10, 434-445.

Selye, H. (1936). A Syndrome produced by Diverse Nocuous Agents. Nature138, 32.

Mehr Gelassenheit durch Achtsamkeit

Kennst Du das Hamsterrad? Oder warst Du möglicherweise schon häufiger in Situationen, in denen Du das Gefühl hattest viele Bälle gleichzeitig jonglieren zu müssen, um zurechtzukommen? Und dann kam noch ein Ball dazu und Deine Gelassenheit war endgültig weg. Eine Möglichkeit stresshafte Situationen zu bewältigen ist die Praxis der Achtsamkeit. Durch kleine Veränderungen im Alltag wird es Dir gelingen nach und nach mehr innere Ruhe und Gelassenheit zu finden.

Oft werde ich in Workshops oder in Beratungen gefragt: “Was ist Achtsamkeit und was kann ich mir darunter vorstellen?“. Es freut mich jedes Mal sehr am Ende der jeweiligen Termine zu hören, dass bei meinen Klient:innen eine Idee entstanden ist, was Achtsamkeit für sie bedeuten kann. 

 

In diesem Blogbeitrag biete ich Dir verschiedene Definitionen an und habe eine Liste positiver Auswirkungen auf Dein Wohlbefinden zusammengestellt, wenn Du Achtsamkeit praktizierst. Impulse für die praktische alltägliche Umsetzung - leicht und mit wenig zeitlichen Aufwand - findest Du am Ende des Textes. 

 

INHALT

  • Was ist Achtsamkeit?
  • Welche positiven Auswirkungen hat ein achtsames Leben?
  • Wie kann ich Achtsamkeit in meinem Leben umsetzen?
  • FAQs
  • Alltagstaugliche Impulse
  • Fazit & Quellen

WAS IST ACHTSAMKEIT?

Achtsamkeit ist ein einfaches Konzept, das sich auf die praktische Umsetzung und Anwendung konzentriert (Kabat-Zinn, 2015). Es bedeutet auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen.

Diese Art der Aufmerksamkeit kann zu einer Klarheit führen, die es ermöglicht, die Realität des gegenwärtigen Augenblicks zu erkennen und zu akzeptieren. Um zu erkennen, dass unser Leben eine Aneinanderreihung von Augenblicken ist, erfordert es eine Bewusstheit für die jeweiligen Augenblicke.

 

Unsere schnelllebige Zeit, die vielen To-Do-Listen, die ständige Erreichbarkeit und die Möglichkeit, jederzeit und überall Neuigkeiten lesen zu können, verhindert oftmals die Bewusstheit für das Hier und Jetzt. Wir bewegen uns häufig mit unseren Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft - denken an stressbelastete Situationen aus der Vergangenheit oder beschäftigen uns mit Ängsten, die mit zukünftigen Situationen verbunden sind. 


Achtsamkeit bedeutet auch im Alltag zur Ruhe zu kommen.

Es bedeutet, sich immer wieder auf den jetzigen Augenblick zu fokussieren, um bei sich zu sein.

Achtsamkeit ist das Ankommen im Hier und Jetzt, raus aus dem Kopf und den Gedanken, hinein in das Spüren des Körpers.


Um das zu erreichen, hilft üben, üben, üben - vergleichbar mit dem Erlernen einer neuen Sprache oder eines Musikinstruments. Dafür braucht es Disziplin und Ausdauer. Die positiven Auswirkungen einer kontinuierlichen Achtsamkeitspraxis sind die Mühe wert.


WELCHE POSITIVEN AUSWIRKUNGEN HAT EIN ACHTSAMES LEBEN?

Ein achtsames Leben kann zahlreiche positive Auswirkungen auf Dein Wohlbefinden haben.

Hier sind einige der wichtigsten Vorteile:

  • Bewusstheit für die eigenen Bedürfnisse: Du lernst, besser auf Deine eigenen Bedürfnisse zu achten und sie zu respektieren.
  • Körperbewusstsein: Achtsamkeit hilft Dir, ein besseres Bewusstsein für Deinen Körper zu entwickeln und auf dessen Signale zu hören.
  • Burnout-Prävention: Durch regelmäßige Achtsamkeitspraxis kannst Du Stress reduzieren und einem Burnout vorbeugen.
  • Eigene Grenzen erkennen: Du wirst besser darin, Deine eigenen Grenzen zu erkennen und zu respektieren.
  • Mehr Gelassenheit: Achtsamkeit fördert eine gelassenere Haltung gegenüber den Herausforderungen des Alltags.
  • Aufbau von innerer Ruhe: Du kannst innere Ruhe und Ausgeglichenheit entwickeln.
  • Reduzierung von impulsivem Verhalten: Achtsamkeit hilft Dir innehalten zu können und bewusster zu handeln.

WIE KANN ICH ACHTSAMKEIT IN MEINEM LEBEN UMSETZEN?

Die Umsetzung von Achtsamkeit im Alltag kannst Du auf unterschiedliche Weise praktizieren.

 

Es gibt einmal die Möglichkeit Alltagstätigkeiten achtsam umzusetzen. Durch den bewussten Umgang mit Deinen Alltagsaufgaben unterbrichst Du den Autopiloten in Deinem Kopf. Unser Gehirn neigt dazu, Energie zu sparen und greift daher auf automatisierte Verhaltensweisen zurück. 

 

Eine weitere Möglichkeit ist Deinen Atem und Körper zu nutzen – zum Beispiel durch Atemübungen, Meditation oder Yoga - um im Hier und Jetzt anzukommen. 


FAQs

Mein Leben ist den ganzen Tag über voll von unterschiedlichen Tätigkeiten. Wie kann ich dennoch Achtsamkeit integrieren?

Es braucht keine einmalige und längerfristige Unterbrechung Deines Tagesablaufs. Hier können Dir gezielte Mini-Pausen helfen. Setze Dir eine Erinnerung, zum Beispiel durch Deinen Smartphone-Wecker. Wenn Dein Wecker sich meldet, nutze diesen Moment, um in Deinem Alltagstun innezuhalten. Du kannst zum Beispiel dreimal ganz bewusst ein- und ausatmen. 

 

Eine weitere Möglichkeit bietet sich bei Wegen, die Du am Tag zurücklegst. Wenn Du diese Wege bewusst gehst, sei es Dein Weg zum Arbeitsplatz oder während des Tages von einem Ort zum anderen, hast Du die Möglichkeit zu sehen und zu hören, was um Dich herum passiert. Diese kurzen Unterbrechungen helfen Dir im Alltag mehr Gelassenheit zu finden.

Ich habe in der Vergangenheit immer wieder Achtsamkeitsübungen praktiziert. Obwohl sie mir gutgetan haben, habe ich sie nicht fortgeführt. Was kann ich tun, um dranzubleiben?

Wenn Du bereits achtsame Momente erlebt hast, hast Du möglicherweise bereits gut funktionierende Übungen umgesetzt. Vielleicht gab es Veränderungen in Deinem Tagesablauf oder generell in Deinem Leben, die Deine Praxis beeinträchtigt haben. Schaffe Dir eine neue Routine mit kleinen achtsamen Momenten und praktiziere sie etwa 12 Wochen lang. Danach wirst Du feststellen, dass es Dir leichter fällt, da sich die Praxis in Deinen Alltag integriert hat.

 

Vielleicht hast Du bisher Übungen praktiziert, die nicht zu Dir passen. Wähle aus den vielen Möglichkeiten diejenigen aus, die Dir wirklich gefallen und sich in Deinen Alltag integrieren lassen. Beantworte Dir dazu die Frage: Wie gefällt mir diese Übung auf einer Skala von 0 (gar nicht) bis 10 (sehr gut)? Wenn Deine Antworten bei 7 – 10 liegen, wirst Du die Übung anwenden. Liegen sie darunter, ist es unwahrscheinlich, dass Du Deine Praxis fortführst.

Ich habe einige Meditationen ausprobiert. Meditation empfinde ich anstrengend. Was kann ich ändern?

Meditation kann vieles sein und beginnt bereits, wenn Du nur einen kurzen Moment bewusster Aufmerksamkeit erlebst. Es geht darum, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Wenn Du unterwegs eine Blume am Wegesrand bemerkst und sie betrachtest, ist das ein meditativer Moment. Meditation kann auch verstanden werden als ein stilles Dasitzen und Atmen. 

 

Angeleitete Meditationen können Unruhe erzeugen, wenn sie als zu lang empfunden werden, weil sich der Kopf einschaltet und wieder etwas tun möchte. Vielleicht ist auch die Stimme des Sprechenden unpassend. 

Wähle zu Beginn eine kürzere Meditation mit einer Stimme, die Dir angenehm ist. Sage Dir selbst, dass es im Moment nichts zu tun gibt. Vielleicht kannst Du diese Zeit als eine Mini-Pause genießen.


ALLTAGSTAUGLICHE IMPULSE

  • Regelmäßige Atemübungen, zum Beispiel atme dreimal tief ein- und aus oder zähle die Atemzüge – einatmen 1, ausatmen 2, einatmen 3 usw.
  • Atme tief durch, wenn Du magst, schließe die Augen oder richte den Blick vor Dich aus, und spüre bewusst in Deinen Körper: Wo berührt Dein Körper die jeweilige Unterlage? Wie fühlt sich das an? Kannst Du an einer Stelle Spannung wahrnehmen? 
  • Nutze Wartezeiten, wie in der Warteschlange an der Kasse oder an einer roten Ampel, um in Deinen Körper zu spüren oder ganz bewusst zu atmen.
  • Nutze Alltagstätigkeiten, wie einkaufen, kochen, putzen, um bewusst Achtsamkeit zu praktizieren, indem Du dabei Deine Sinne einsetzt: Was siehst Du? Was riechst Du? Was kannst Du fühlen?
  • Achtsames EssenNimm Dir Zeit, um deine Mahlzeiten bewusst zu genießen. Achte auf die Farben, Gerüche und Geschmäcker Deines Essens. Iss bewusst langsam und kaue gründlich, um jeden Bissen wertzuschätzen. 
  • Achtsames Zuhören: Wenn Du mit jemandem sprichst, schenke der Person Deine volle Aufmerksamkeit. Wende Dich ihr ganz zu, versuche dabei, wirklich zuzuhören, ohne sofort zu antworten oder abzulenken. 
  • Achtsame Bewegung: Integriere achtsame Bewegungen in Deinen Alltag, wie zum Beispiel bewusstes Gehen oder sanfte Dehnübungen. Achte darauf, wie sich Dein Körper dabei anfühlt und spüre am Ende der Praxis den möglichen Unterschied zu vorher. 
  • Dankbarkeitspraxis: Lass Deinen Tag mit einem dankbaren Abendritual ausklingen, indem Du Dich erinnerst, was Du am jeweiligen Tag erlebt hast und wofür Du dankbar bist. Zum Sammeln dieser Momente nutze zum Beispiel Glasmurmeln oder was immer Du möchtest. Du kannst Deine Erinnerungen auch in ein Dankbarkeitstagebuch schreiben. Versuche Dich täglich an etwa 10 Dinge zu erinnern. Registriere dabei auch die kleinen Momente.
  • Mini-Pausen: Integriere ganz bewusst Pausen von 1 – 5 Minuten in den Alltag und erinnere Dich durch Merkzettel bzw. durch Deinen Smartphone-Wecker. Wenn Dein Wecker sich meldet, Du Deinen Merkzettel siehst, nutze diesen Moment, um innezuhalten. Du kannst zum Beispiel kurz Deine Augen schließen und den Boden unter Deinen Füßen spüren. Danach atme bewusst tief durch die Nase ein und lang durch den leicht geöffneten Mund wieder aus.

FAZIT

Achtsamkeit ist ein einfaches und gleichzeitig wirkungsvolles Konzept, das sich auf die bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks konzentriert. Durch regelmäßige Achtsamkeitspraxis kannst Du zahlreiche positive Auswirkungen auf Dein Wohlbefinden erfahren.

 

Mit unterschiedlichen Möglichkeiten integrierst Du leicht und mit wenig Zeitaufwand Achtsamkeit in Deinen Alltag. Durch kontinuierliches Üben wirst Du die positiven Auswirkungen dieser Praxis voll ausschöpfen können.


QUELLEN

Hanh, T.N (2013). Achtsam arbeiten – achtsam leben. O.W.Barth: München.

 

Kabat-Zinn, J. (2015). Im Alltag Ruhe finden – Meditationen für ein gelassenes Leben. Knaur: München.

 

Tan, C-M. (2015). Search Inside Yourself – Optimiere dein Leben durch Achtsamkeit. Goldmann: München.

 

Williams, M. & Penman, D. (2015). Das Achtsamkeitstraining – 20 Minuten täglich, die Ihr Leben verändern. Goldmann: München.

Selbstakzeptanz und Gesundheit

Selbstakzeptanz gilt als ein Schlüsselkonzept im Bereich der psychischen Gesundheit, das eine wichtige Rolle dabei spielen kann, wie Menschen ihre eigene Identität, ihre Fähigkeiten und ihre Schwächen wahrnehmen und schätzen.

 

Diese innere Haltung hat weitreichende Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden und die körperliche Gesundheit. In einem Zeitalter, in dem soziale Medien und gesellschaftliche Erwartungen möglicherweise oft unrealistische Standards setzen, erscheint die Bedeutung von Selbstakzeptanz umso relevanter. 

 

Wie genau Selbstakzeptanz und Gesundheit zusammenhängen, was Selbstfürsorge dazu positiv beitragen kann und welche praktischen Übungen Dir helfen können, soll in diesem Blogbeitrag näher beleuchtet werden.

 

INHALT

  • Was genau bedeutet das Konstrukt Selbstakzeptanz?
  • Was genau ist Selbstfürsorge?
  • Wie hängen Selbstakzeptanz und Selbstfürsorge zusammen?
  • Praktische Tipps
  • Fazit & Quellen

WAS GENAU BEDEUTET DAS KONSTRUKT SELBSTAKZEPTANZ?

Selbstakzeptanz beschreibt die Fähigkeit, sich selbst mit Stärken und Schwächen realistisch und wohlwollend anzuerkennen – ohne sich dauerhaft abzuwerten oder mit unerreichbaren Maßstäben zu vergleichen.


WAS GENAU IST SELBSTFÜRSORGE?

Selbstfürsorge bezieht sich auf die aktiven Maßnahmen, die wir ergreifen, um unsere körperlichen, emotionalen und geistigen Bedürfnisse zu erfüllen. Das kann gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Entspannungstechniken oder auch das Setzen gesunder Grenzen sein.


WIE HÄNGEN SELBSTAKZEPTANZ UND SELBSTFÜRSORGE ZUSAMMEN?

Selbstakzeptanz und Selbstfürsorge gehen Hand in Hand. Wer sich selbst akzeptiert, kümmert sich besser um die eigenen Bedürfnisse. Umgekehrt kann die Praxis der Selbstfürsorge die Selbstakzeptanz stärken.

 

1. Selbstakzeptanz als Grundlage für Selbstfürsorge

Wer sich selbst akzeptiert, erkennt seinen eigenen Wert und die Bedeutung der eigenen Bedürfnisse. Das führt dazu, dass man sich eher die Zeit und Mühe nimmt, sich um sich selbst zu kümmern. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Selbstakzeptanz eng mit positiver psychischer Gesundheit und einem geringeren Risiko für Depressionen und Angstzustände verbunden ist (MacInnes, 2006; Neff, 2003).

 

2. Selbstfürsorge als Praxis der Selbstakzeptanz

Durch regelmäßige Selbstfürsorgepraktiken kann man das Selbstwertgefühl und die Selbstliebe stärken. Indem man sich selbst die nötige Aufmerksamkeit und Pflege schenkt, signalisiert man sich selbst, dass man wertvoll und wichtig ist. Das kann das Gefühl der Selbstakzeptanz vertiefen und ein positives Selbstbild fördern (Germer, 2009).


PRAKTISCHE TIPPS

Frau umarmt sich selbst

Praktiziere Achtsamkeitsübungen, um Dir Deiner Gedanken und Gefühle bewusst zu werden und sie ohne Urteil zu akzeptieren

 

·        Positive SelbstgesprächePrüfe, ob Deine inneren Selbstgespräche realistisch und unterstützend sind – statt streng und pauschal abwertend. Schreibe jeden Morgen drei positive Affirmationen auf und sage sie dir laut vor, z.B. Ich bin stark. Ich schaffe das. Ich bin gesund.

 

      Achte auf Deine physische Gesundheit, indem Du auf eine ausgewogene Ernährung achtest, Dich regelmäßig bewegst und für ausreichend Schlaf sorgst. Konkrete Übung: Plane dir feste Zeiten für Mahlzeiten, Sport und Schlaf ein und halte dich daran.

 

      Nimm Dir Auszeiten, indem Du Zeiten in Deinen Alltag nur für Dich einplanst, um für Entspannung und Erholung zu sorgen, z.B. indem Du Dir in Deinem Kalender einen Me-Time-Termin blockierst, um Dich daran zu erinnern


FAZIT

Selbstakzeptanz und Selbstfürsorge sind essenzielle Bestandteile eines gesunden und erfüllten Lebens. Indem Menschen lernen, sich selbst zu akzeptieren und ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen, können sie ein höheres Maß an Wohlbefinden erreichen. Wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, dass die Praxis der Selbstfürsorge die Selbstakzeptanz stärkt und umgekehrt. Es lohnt sich daher, kontinuierlich an der eigenen Selbstakzeptanz zu arbeiten und sich selbst die Liebe und Anerkennung zu geben, die man verdient.

 


QUELLEN

Germer, C.K. (2009). The Mindful Path of Self-Compassion: Freeing Yourself from Destructive Thoughts and Emotions. The Guilford Press: New York.

MacInnes, D.L. (2006). Self-Esteem and Self-Acceptance: An Examination into their Relationship and their Effect on Psychological Health, Journal of Psychiatric and Mental Nursing, 13 (5), 483-489. 

Neff, K.D. (2003). The Development and Validation of a Scale to Measure Self-Compassion. Self and Identity, 2 (3), 223-250.

Teamresilienz - Was sie ausmacht und wofür sie in unsicheren Zeiten wichtig ist

Resilienz, als die innere Stärke und psychische Widerstandskraft bekannt, wird bereits seit einigen Jahrzehnten in der Forschung bei Individuen untersucht. Es soll herausgefunden werden, wie Menschen Belastungen gesund bewältigen und daraus lernen können. Wissenschaftliche Forschung beschäftigt sich nun auch mehr mit Resilienz in Teams und Organisationen.

Ein interessanter Artikel aus der Zeitschrift Wirtschaftspsychologie aktuell beleuchtet ein Modell zur Teamresilienz. Die Autor:innen weisen darauf hin, dass die Forschung in diesem Bereich noch in den Kinderschuhen stecke, jedoch unsere zunehmend komplexe Arbeitswelt dort mehr Forschung brauche. Das vorgestellte Drei-Komponenten-Modell enthält neun Wirkfaktoren, die ein Team resilienter werden lässt, wenn diese trainiert werden.

 

INHALT

  • Teamresilienz und warum sie in der heutigen Arbeitswelt so wichtig ist
  • Die drei Komponenten der Teamresilienz
  • Drei relevante Dimensionen der Teamresilienz-Kapazität
  • Positive Auswirkungen gelebter Resilienz
  • Umgang mit Fehlern und Konflikten
  • Die neun trainierbaren Wirkfaktoren
  • Möglichkeiten, um Teamresilienz zu stärken
  • Fazit & Quelle

TEAMRESILIENZ UND WARUM SIE IN DER HEUTIGEN ARBEITSWELT SO WICHTIG IST

Vier diverse Hände halten einander fest

Teamresilienz beschreibt die Fähigkeit eines Teams, auf herausfordernde und widrige Situationen wie Druck, Fehler, Veränderungen und Krisen gemeinsam zu reagieren und sich davon zu erholen.

 

In der heutigen komplexen und dynamischen Arbeitswelt, die oft von Unsicherheit und unvorhersehbaren Ereignissen geprägt ist, ist Teamresilienz entscheidend für den langfristigen Erfolg. Sie ermöglicht es Teams, mit Stress umzugehen, sich an neue Bedingungen anzupassen und auch in schwierigen Zeiten ihre Leistungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden aufrechtzuerhalten.


DIE DREI KOMPONENTEN DER TEAMRESILIENZ

1. Teamresilienz-Kapazität

  • als Fundament für die Resilienz eines Teams
  • steht für die vorhandenen Ressourcen, die es einem Team ermöglichen, Resilienz zu zeigen und positiv mit auftretenden Widrigkeiten umzugehen

2. Resilienz-Mechanismen

  • die proaktiven und reaktiven Bewältigungsstrategien und -prozesse, die Teams anwenden, um ihre Ressourcen gezielt zu nutzen, mit Stress umzugehen und sich an veränderte Bedingungen anzupassen

3. Resilienz-Demonstration

  • das sichtbare Ergebnis der angewandten Kapazitäten und Mechanismen, das sich in konkreten Verhaltensweisen und der erfolgreichen Bewältigung von Widrigkeiten zeigt

DREI RELEVANTE DIMENSIONEN DER TEAMRESILIENZ-KAPAZITÄT

Bergsteigende klettern auf den Berg mit Schnee und blauen Himmel

Team Mental Models (gemeinsame mentale Modelle) als ein gemeinsames, organisiertes Verständnis von relevantem Wissen, das von allen Teammitglieder geteilt wird. Es ermöglicht eine einheitliche Wahrnehmung und Interpretation von Situationen und fördert effektive Kommunikation und Koordination.

 

Beziehungsqualität zwischen den Teammitgliedern als ein wichtiger Faktor für die Widerstandsfähigkeit des Teams. Sie umfasst Aspekte wie Vertrauen, gegenseitige Unterstützung und offene Kommunikation, die in Stresssituationen besonders wichtig werden.

 

Kontinuierliche Entwicklung bedeutet, dass ein Team bereit ist, sich stetig an seine Leistungsanforderungen anzupassen. Es beinhaltet die Fähigkeit zur Selbstreflexion, zum Lernen aus Erfahrungen und zur Implementierung von Veränderungen, um auch zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein.


POSITIVE AUSWIRKUNGEN GELEBTER RESILIENZ

Team Mental Models

  • erleichterte Herangehensweise an Herausforderungen/ Probleme
  • verbesserte Entscheidungsfindung
  • effektivere Koordination von Handlungen in Stresssituationen
  • schnellere und kohärente Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse und bessere Einigung auf gemeinsame Bewältigungsstrategien

Beziehungsqualität

  • wichtige soziale Ressource durch Vertrauen, Respekt und gegenseitige Unterstützung im Team
  • Verlässlichkeit und emotionale Unterstützung in herausfordernden Zeiten
  • offene Kommunikation möglich, um frühzeitig und konstruktiv Lösungen zu finden

Kontinuierliche Entwicklung 

  • flexibel und anpassungsfähig angesichts sich verändernder Anforderungen und Herausforderungen
  • gestärkte Fähigkeit zur Bewältigung zukünftiger Widrigkeiten und Sicherung der Leistungsfähigkeit

UMGANG MIT FEHLERN UND KONFLIKTEN

3 Bergsteigende von hinten zu sehen gehen gemeinsam einen Weg hinauf

Ein konstruktiver Umgang mit Fehlern und Konflikten ist entscheidend für die Teamresilienz. Teams, die eine offene Fehlerkultur pflegen, in der Fehler als Lernchancen betrachtet werden und offen darüber gesprochen wird, können schneller aus ihren Erfahrungen lernen und ihre Prozesse verbessern.

 

Ein konstruktiver Umgang mit Konflikten, bei dem unterschiedliche Meinungen respektiert und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, verhindert, dass Spannungen eskalieren und die Zusammenarbeit im Team beeinträchtigen.


DIE NEUN TRAINIERBAREN WIRKFAKTOREN

  • Gemeinsame Ziele
  • Rollenklarheit
  • Klarheit über Entscheidungen
  • Teamkommunikation
  • Gegenseitige Unterstützung
  • Umgang mit Konflikten
  • Teamreflexion
  • Kollektives Lernen
  • Teamflexibilität
Bergsteigende strecken ihre Arme hoch und sind auf einem Berggipfel

MÖGLICHKEITEN, UM TEAMRESILIENZ ZU STÄRKEN

 

·      Förderung einer klaren und offenen Kommunikation.

·      Entwicklung gemeinsamer Ziele und eines starken Wir-Gefühls

·      Etablierung von Routinen und Strukturen, die in Stresssituationen Halt geben

·      Schaffung einer Kultur der gegenseitigen Unterstützung und des Vertrauens

·      Aktive Reflexion von Erfolgen und Misserfolgen, um daraus zu lernen

·      Förderung der individuellen Resilienz der Teammitglieder

·      Entwicklung von flexiblen Problemlösungsstrategien

·      Etablierung von Mechanismen zur Stressbewältigung und zum Erhalt des Wohlbefindens


FAZIT

Es gibt Möglichkeiten für Teams trotz herausfordernder und widriger Umstände innerhalb des Arbeitskontextes gesund und flexibel zu bleiben. Die Förderung einer resilienten Team- und Organisationskultur durch gemeinsames Verständnis, einer wertschätzenden und offenen Beziehungsqualität unter einzelnen Mitarbeitenden, wie auch der offene Umgang mit kontinuierlicher Entwicklung, kann dazu beitragen.

 


QUELLE

Baumgartner, M., Krause, A. & Waldner, L. (2025). Teamresilienz: Die Kraft der Zusammenarbeit in unsicheren Zeiten, Wirtschaftspsychologie aktuell (1), 8-13.

Positive Emotionen

Gelber Smiley

Wie positive Emotionen die psychische Widerstandskraft fördern können, in welchen Bereichen Forschung zur Auswirkung von positiven Emotionen erfolgt ist und welche positiven Auswirkungen ein optimistisches Erleben haben kann, soll in diesem Blog-Beitrag näher beleuchtet werden.

Dazu gibt es einen kurzen Einblick in die Anfänge der positiven Psychologie und der Broaden-and-Built-Theorie von Barbara L. Fredrickson.

 

INHALT

  • Anfänge der positiven Psychologie
  • Broaden-and-Built-Theorie
  • Forschungsfelder
  • Positive Auswirkungen positiver Emotionen
  • FAQ'S
  • Fazit & Quellen

ANFÄNGE DER POSITIVEN PSYCHOLOGIE

Die positive Psychologie hielt Einzug Anfang des Jahrtausends. Begründende sind Martin Seligmann und Mihaly Csikszentmihalyi. Es sollte eine Veränderung in der Ausrichtung geben, weg von ausschließlicher Behandlung von psychischen Erkrankungen und Reduzierung von Leid, hin zu Verstehen von Möglichkeiten, die ein erfüllteres Leben ermöglichen.

 

Positive Psychologie untersucht wie Menschen aufblühen können und konzentriert sich nicht nur wie in der klassischen Psychologie auf die Abwesenheit von Krankheit und Problemen. Sie zielt darauf ab, positive Qualitäten wie Glück, Optimismus, Resilienz, Kreativität und Weisheit aufzubauen und zu fördern. Der Mensch wird in der positiven Psychologie nicht als passives Opfer von Umständen, sondern als ein Akteur mit Potential für Wachstum und Selbstverwirklichung angesehen.

 

Seligman, auch oft Vater der positiven Psychologie genannt, betonte in einem Rückblick der letzten zwanzig Jahre in 2019, dass die positive Psychologie eine eigene Disziplin zur Förderung von Wohlbefinden sei. Sie konzentriere sich auf den Aufbau positiver Eigenschaften, um die individuelle Resilienz zu stärken. Studien zeigten, dass optimistische Menschen eher zu gesundheitsfördernden Eigenschaften tendierten und soziale Unterstützung suchten. Ebenso konnte festgestellt werden, dass positive affektive Zustände direkte physiologische Auswirkungen hatten, die wiederum einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf zeigten.


BROADEN-AND-BUILT-THEORIE

Einen wichtigen Beitrag zur positiven Psychologie schuf Barbara L. Fredrickson. Sie trug durch ihre Forschung zu positiven Emotionen und deren Auswirkung mit ihrer Broaden-and-Built-Theorie zur Weiterentwicklung der positiven Psychologie bei. Sie fand heraus, dass negative Emotionen hemmende Wirkung haben. Bei Trauer würden Menschen sich eher zurückziehen, sich körperlich wie mental klein machen.

Positive Emotionen haben laut Fredrickson erweiternde Qualität. Wahrnehmung und Denkvermögen würden sich verändern und dadurch unser Verhaltensrepertoire erweitern. Wir könnten daher langfristig unsere individuellen Ressourcen aufbauen.


FORSCHUNGSFELDER

Frau öffnet Arme und blickt in den Himmel - Strand und Wasser im Hintergrund
  • Klinische Psychologie & Psychotherapie
  • Arbeits- und Organisationspsychologie
  • Bildungspsychologie
  • Neurowissenschaften
  • Gesundheitspsychologie und Medizin
  • Beziehungsforschung
  • Sportpsychologie

POSITIVE AUSWIRKUNGEN POSITIVER EMOTIONEN

  • Förderung der Resilienz
  • Positive Auswirkung bei Behandlung von Depression und Angststörung
  • Positiven Einfluss auf Arbeitsmotivation, Kreativität und Produktivität
  • Positives Arbeitsklima
  • Bessere Teamarbeit und Entscheidungsfindung
  • Einfluss auf Stressregulation, Gedächtnis und kognitive Flexibilität
  • Einfluss auf Lernen, Motivation und Kreativität
  • Ermöglicht Flowerleben, Freude am Lernen
  • Körperliche Gesundheit (Immunsystem, Herz-Kreislauf-Gesundheit)
  • Förderung von sozialen Bindungen, Empathie und Kooperation

FAQ's

  • Sollen negative Emotionen unterdrückt werden? Keinesfalls, negative wie positive Emotionen sind wichtig, wenn sie der Situation angemessen sind. Durch positive Emotionen entstehen Möglichkeiten aktiver handeln zu können.
  • Ist Optimismus bei Herausforderungen grundsätzlich anzuwenden? Psychologische Studien zeigten, dass es auch ein zuviel des Guten geben kann. Äußerst optimistische Menschen neigten zu unrealistischeren Urteilen und unterschätzten Gefahren. Wichtig sei daher die rosarote Brille abzusetzen und eine realistische optimistische Brille aufzusetzen.
  • Sind positive Emotionen nur vorhanden, wenn ich glücklich bin? Nein. Positive Emotionen sind auch erlebbar bei Heiterkeit, Freude, Dankbarkeit, Mitgefühl, Interesse, Liebe... So individuell wie wir auch an anderer Stelle etwas erleben.
  • Wie stärke ich meine positiven Emotionen? Durch Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die positiven Erlebnisse von z.B. Freude und Dankbarkeit und der Sammlung dieser Erlebnisse durch Visualisierung z.B. durch Aufschreiben in einem Tagebuch oder Sammlung von Murmeln usw.

FAZIT

Positive Emotionen sind mehr als nur Glücksgefühle im Moment. Sie haben in den unterschiedlichsten Lebensbereichen langfristige positive Auswirkungen auf unser psychisches und dadurch physisches Wohlbefinden. 

Es ist möglich durch bewusstes Erleben den eigenen Blick für Positives zu schärfen. Dadurch kann entscheidend zum Ausbau der eigenen persönlichen Entwicklung, Resilienz und einem langfristigen Wohlbefinden beigetragen werden.


QUELLEN

Fredrickson, B. L. (2001). The Role of Positive Emotions in Positive Psychology: The Broaden-and-Built Theory of Positive Emotions, American Psychologist, 56 (3), 218-226.

Seligman, M. E.P. & Csikszentmihalyi, M. (2000). Positive Psychology: An Introduction, American Psychologist, 55 (1), 1-15.

Seligman, M. E.P. (2019). Positive Psychology: A Personal History, Annual Review of Clinical Psychology, 15, 1-23.

Mentales Kontrastieren & WOOP

Wie und wo mentales Kontrastieren und die WOOP-Methode hilfreich sein können, soll in diesem Blog-Artikel näher beleuchtet werden.

 

Ziele begleiten uns täglich, kleinere oder größere, kurz- und langfristig angelegt. Wir erreichen manche schnell. Andere wiederum erfordern so einiges von uns, um sie erfolgreich umzusetzen.

Prof. Dr. Gabriele Oettingen forscht seit Jahrzehnten zu diesem Thema. Sie hat die Fantasierealisationstheorie entwickelt, aus der die mentale Kontrastierung und später die WOOP-Methode entstand.

 

INHALT

  • Was ist mentales Kontrastieren?
  • Wie funktioniert mentales Kontrastieren?
  • Was bedeutet WOOP?
  • Warum ist es wichtig sich Hindernisse bewusst zu machen?
  • Wobei können Dich mentales Kontrastieren und die WOOP-Methode unterstützen?
  • Fazit & Quellen

WAS IST MENTALES KONTRASTIEREN?

Es ist eine Möglichkeit zur Selbstregulation, um kurzfristige kleinere oder auch langfristig größere Ziele zu erreichen. Das mentale Kontrastieren ist der erste Teil der WOOP-Methode ohne die Formulierung der Handlungsoption.


WIE FUNKTIONIERT MENTALES KONTRASTIEREN?

Mentales Kontrastieren unterscheidet sich von den reinen Tagträumen, dem Fantasieren über eine positive Zukunft oder dem Grübeln über eine schlechte Gegenwart.

Durch abwechselnde mentale Vorstellung der positiven Aspekte des Ziels und der Hindernisse, die sich der Zielerreichung in den Weg stellen können, werden automatisch motivationale Prozesse aktiviert, die zu Handlungen führen können. 

 

Dieses gedankliche Abwägen hilft zu erkennen, dass das bloße Träumen nicht reicht, sondern es auch Anstrengung bedarf. Die Methode dient dazu die Zielbindung und die Motivation in Richtung Zielerreichung zu erhöhen.  


WAS BEDEUTET WOOP?

Es ist eine Abkürzung für Wish - Outcome - Obstacle - Plan.

Hier visualisierst Du nacheinander Deinen Wunsch (Wish), das Ergebnis, wenn Dein Wunsch erfüllt ist (Outcome), das mögliche Hindernis (Obstacle) und zusätzlich den Plan (Plan). WOOP hilft, realistischer auf die eigenen Erwartungen zu schauen und dadurch die Umsetzung von Zielen zu erleichtern, indem Du Dich aktiv mit den möglichen Schwierigkeiten auseinandersetzt und sie somit besser bewältigen kannst.


WARUM IST ES WICHTIG SICH HINDERNISSE BEWUSST ZU MACHEN?

Ohne die Hindernisse zu kennen, die einen abhalten könnten, ein gewünschtes Ziel zu erreichen, gibt es auch keine Strategie diese Hindernisse zu überwinden. Möglicherweise erkennst Du durch das Finden der Hindernisse, dass der Wunsch im Hier und Jetzt noch nicht umsetzbar ist. Vielleicht erkennst Du auch, warum die vielen Versuche bisher erfolglos blieben.

 

Erfolge in der Zielerreichung stärken unsere Selbstwirksamkeit. Mehrmaliges Scheitern kann dazu führen, dass wir das Ziel aufgeben, obwohl es machbar wäre. Hindernisse zu definieren, gibt uns die Chance zur Erkenntnis, was genau zu einem passt oder wirklich ein Tagtraum bleiben wird. 


WOBEI KÖNNEN DICH MENTALES KONTRASTIEREN UND DIE WOOP-METHODE UNTERSTÜTZEN?

Du kannst gleich morgens einen Tagesimpuls woopen. Wenn Du Dir vorgenommen hast z.B. mehr Bewegung oder gesunde Ernährung in Deinen Alltag zu integrieren, ist die WOOP-Methode sehr hilfreich. Wenn Du morgens damit startest und die Ausrichtung des Tages woopst, kann das positive Auswirkungen auf den Tagesverlauf nehmen. Du benötigst dafür lediglich ca. 5 Minuten intensiv konzentriert auf Deinen WOOP in ungestörter Umgebung.

 

Die Forschung zum mentalen Kontrastieren und die daraus entstandene WOOP-Methode wurde und wird in unterschiedlichsten Kontexten, im privaten wie beruflichen Lebensbereichen durchgeführt. Es zeigten sich im Gesundheitsbereich, wie auch bei der Zielfindung von Gruppen und Paarbeziehungen statistisch relevante positive Auswirkungen bei der Anwendung von mentaler Kontrastierung und der WOOP-Methode. Mehr dazu findet sich im Buch Die Psychologie des Gelingens oder Du siehst Dich auf der Website woopmylife um. Es existiert ebenfalls eine minimalistisch App für Deine WOOPs.


FAZIT

Als ausgiebig erforschte Selbstregulationsmethode ist WOOP vielseitig und schnell im Alltag einsetzbar, um aus Träumen Handlung werden zu lassen. Sie dient damit auch der Erhöhung von individueller Selbstwirksamkeit durch erfolgreich umgesetzte Ziele. Letztlich ist es uns selbst überlassen sie auszuprobieren, einzusetzen in Bereichen, die uns wichtig sind, zu entscheiden, ob es ein hilfreiches Tool sein kann und für einen selbst alltagstauglich umsetzbar.

 


QUELLEN

Oettingen, G. (2015). Die Psychologie des Gelingens. Pattloch: München.

 

Oettingen, G. (2023). Wer dem Hindernis ins Gesicht sieht, versteht, wie er es überwinden kann, reportpsychologie (1), 10-12.

Stressreduktion durch Boundary Management

Arbeiten immer und überall - Wo ziehst Du Deine Grenzen?

 

Heute haben wir fast jederzeit Zugriff auf E-Mails, Nachrichten und Arbeitsthemen. Das macht flexibel – aber auch anfällig für Stress. Denn wenn die Grenzen verschwimmen, fehlt oft die Erholung.

Genau hier setzt das Boundary Management an. Es beschreibt, wie wir die verschiedenen Lebensbereiche voneinander abgrenzen – oder eben bewusst miteinander verzahnen.

  • Manche Menschen brauchen eine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben (Segmentation).
  • Andere fühlen sich wohler, wenn sich die Bereiche durchmischen (Integration). Sie können die Erfahrungen aus dem einen Bereich nutzen, um im anderen Kraft zu schöpfen (Kompensation).

Beides ist erlaubt. Entscheidend ist: Was passt zu dir – gerade jetzt, in deiner aktuellen Lebensphase?

 

Studien zeigen außerdem: Grenzen sind nicht nur Privatsache. Auch Teams, Führungskräfte und ganze Organisationen spielen eine Rolle. Denn wenn Vorgesetzte rund um die Uhr Mails verschicken, setzt das unbewusst Standards.

Am Ende beginnt alles bei dir.

 

Frag dich:

  • Wo brauche ich klare Grenzen?
  • Wo tut mir Flexibilität gut?

Deine Antwort ist der erste Schritt zu weniger Stress und mehr Erholung.


WIE DU IM ALLTAG DEINE GRENZEN SETZEN KANNST

Räumlich

  • Bewusst unterschiedliche Kleidung tragen (Business - privat)
  • Unterschiedliche Mobiltelefone nutzen
  • Den Arbeitsort vom privaten Ort trennen
  • Bei Home Office bewusst einen beruflichen Bereich einrichten, falls möglich einen eigenen Raum dafür nutzen

Zeitlich

  • Klare Strukturierung der täglichen Arbeitszeit und der privaten Zeit durch Festlegung der Uhrzeiten
  • Erholungszeiten und Pausen planen & einhalten
  • Zeit für sich selbst (Me-Time) als Termin im Mobiltelefon abspeichern & einhalten

Verhaltensbasiert

  • Rituale für den Übergang von einem zum anderen Lebensbereich etablieren, z.B. einen Spaziergang nach Beendigung der Arbeitszeit, eine Mediation- oder Yogaeinheit einplanen für den Übergang von privater zu beruflicher Zeit
  • Klare Regeln für den jeweiligen Lebensbereiche schaffen, z.B. während der Arbeitszeit nur berufliche Nachrichten, während der privaten Zeit nur private Nachrichten lesen
  • Fokuszeiten im Kalender und im Mobiltelefon setzen für geplante Pausen

Kommunikativ

  • Das Umfeld informieren über individuelle Regeln und Rituale.
  • Erwartungen an andere mitteilen
  • Vereinbarungen verhandeln

Kognitiv

  • Atemübungen in den Pausen nutzen
  • Entspannungsübungen etablieren
  • Achtsamkeitstechniken einsetzen, um Bewusstheit für das Hier & Jetzt zu schaffen

FAZIT

Es gibt viele Wege, die eigenen Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zu gestalten. Manche Menschen brauchen klare Trennung, andere profitieren von einer bewussten Integration – wichtig ist, dass es zu deinem Energiehaushalt passt. Entscheidend ist nicht das Modell, sondern wie bewusst du damit umgehst.

 

Ein Coaching kann dabei unterstützen, das persönliche Stressmanagement besser zu verstehen, wirksame Strategien zu entwickeln und konkrete Schritte in den Alltag zu bringen. So entsteht mehr Klarheit, Balance und Erholung.

 


QUELLE

Kempen, R. & Müller, N. (2024). Die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben erfolgreich gestalten, Wirtschaftspsychologie aktuell (4), 20-26.